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Hai der Woche: Cenderwasih-Epaulettenhai — 21. May 2018

Hai der Woche: Cenderwasih-Epaulettenhai

Ein anderer Hai der Familie Hemiscylliidae (auch Bambushaie genannt), der kürzlich gefunden wurde, ist der Cenderwasih-Epaulettenhai, der nach einer kleinen Bucht im westlichen Papua-Neuguinea benannt wurde, wo der niedliche kleine Hai (bis zu 56,8 cm) im Riff in Tiefen zwischen 2 und 4 m lebt. Er ist von der selben Gattung wie der Hai von letzter Woche (Epaulettenhaie oder Hemiscyllium), sieht auch sehr wie er aus (aber mit anderen Markierungen), ist auch ein laufender Hai und wurde im Jahr 2008 auch von Gerald Allen benannt.

Hemiscyllium galei from Cenderawasih Bay, West Papua. (C) G. Allen

Aber der Hemiscyllium galei wurde nicht nach seinem Entdecker benannt, oder um einen Kollegen oder früheren Wissenschaftler zu ehren, sondern sein wissenschaftlicher Name wurde in einer “Blauen Auktion” versteigert. Dass ist nicht alltäglich, aber es gelang dadurch immerhin, genug Geld zusammen zu bekommen um die Raja-Ampat-Inseln zu schützen, die nun Teil eines Meeres-Schutzgebietes (MPA) sind. Also vielen Dank, Jeffrey Gale, laut fishbase.de “ein begeisterter Unterwasser-Fotograf, Hai-Enthusiast, und Wohltäter der Meere”, dessen Filme z.B.  hier und Fotos hier gefunden werden können (und ich könnte sogar sein eigenes Bild verlinken, das Internet ist faszinierend und beängstigend, nicht wahr?).

Quellen: hierhier und hier

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Hai der Woche: Pazifischer Zwerghai — 6. November 2017

Hai der Woche: Pazifischer Zwerghai

Der Pazifische Zwerghai (Carcharhinus cerdale), Schwesternart zum Atlantischen Zwerghai von letzter Woche, ist ein Beispiel für den fehlgeleiteten Glauben in Autoritäten, in diesem Fall die Experten Henry Bryant Bigelow und William Charles Schroeder. Was war passiert? Nachdem diese Art erstmals im Jahr 1898 von Charles Henry Gilbert beschrieben wurde, hatten Kollege Seth Eugene Meek und sein Assistent Samuel Frederick Hildebrand zwischen 1910 und 1912 Exemplare auf einem Fischmarkt in Colón auf der karibischen Seite von Panama entdeckt und geschlussfolgert, dass diese Arten auf beiden Seiten des Isthmus von Panama lebt. Vielleicht machten sie einen Fehler bei der Bestimmung, oder nahmen fälschlicherweise an, dass die Fische auch dort gefangen wurde, wir werden es nie erfahren. Weil der Panamakanal noch nicht eröffnet war, konnten weder ein Hai noch ein Fangschiff die atlantische Seite von Panama von der pazifischen Seite aus schwimmend erreichen, aber ein Fischtransporter an Land jedoch schon. Jedenfalls wiederholten Bigelow und Schroeder 1948 nicht nur den Fehler ihrer Kollegen, sondern unterstellten, dass Meek und Hildebrand deshalb den Pazifischen Zwerghai nicht als eigene Art ansahen, sondern als synonym mit dem eng verwandten, auf der atlantischen Seite heimischen Atlantischen Zwerghai. Erst 2011 wurde dieser Fehler von José I. Castro behoben, doch solch wichtige Websites wie die IUCN oder das Florida Museum bringen dieser Fakt immer noch nicht und sollten schleunigst auf den neuesten Stand gebracht werden.

Carcharhinus cerdale SI.jpg
Carcharhinus cerdale by D Ross Robertsonhttp://biogeodb.stri.si.edu/sftep/en/thefishes/species/5290, Public Domain, Link

Genau wie seine Schwesternart ist der Pazifische Zwerghai ein Requiemhai und vivipar. Er bewohnt Küstengewässer des östlichen Pazifik vom Golf von Kalifornien bis Peru.

Quellen: hier, hier und hier

Hai der Woche: Atlantischer Zwerghai — 30. October 2017

Hai der Woche: Atlantischer Zwerghai

Will jemand ein weiteres Beispiel zum Beweis der Plattentektonik? Nun, der Atlantischer Zwerghai (Carcharhinus porosus – so genannt nach wirklich großen Poren hinter seinen Augen) wurde bis 2011 betrachtet als in Küstengewässern auf beiden Seiten des Isthmus von Panama lebend: im westlichen Atlantik vom nördlichen Golf von Mexiko bis zum südlichen Brasilien ebenso wie im östlichen Pazifik vom Golf von Kalifornien südlich bis nach Peru. Ein folgenschwerer Fehler, der bis jetzt anzudauern scheint (siehe die IUCN Rote Liste und die Homepage des Florida Museums). Tatsächlich aber kann seine Schwesterart Pazifischer Zwerghai (Carcharhinus cerdale) im östlichen Pazifik gefunden werden, und der Atlantische Zwerghai lebt nur im west-atlantischen Teil. Beide wurden vor ungefähr 2,8 Millionen Jahren getrennt und haben sich in verschiedene Arten entwickelt (genauso wie Weißnasenhai und Schwarznasenhai auch ein Beweis für die Evolution).

Carcharhinus porosus SI.jpg
Carcharhinus porosus by D Ross Robertsonhttp://biogeodb.stri.si.edu/caribbean/en/gallery/specie/100, Public Domain, Link

Dieser kleine (im allgemeinen nur bis zu 1,1 m lange) Requiemhai ist langsam wachsend und vivipar mit 2 bis 9 Jungen alle 2 Jahre nach einer Tragzeit von ca. 12 Monaten. Er kann in Bodennähe von Küstengewässern und Flussmündungen gefunden werden und bildet große, nach Geschlecht getrennte Schulen.

Entlang der nördlichen Brasilienküste, wo einige seiner Kinderstuben sind, ist der Atlantische Zwerghai der an häufigsten vorkommende Hai, und in Trinidad ist er der wirtschaftlich bedeutendste Hai (unter dem Namen puppy shark). Fischereidruck als Beifang oder gezielt (für Fleisch, Flossen, Knorpel und Leber-Öl)  haben einen signifikanten Rückgang der Zahlen verursacht, weswegen er in Brasilien die ICUN-Einstufung gefährdet bekommen hat, wo hauptsächlich Heranwachsende gefangen wurden, aber weltweit nur data deficient. Weil sein Lebensraum viel begrenzter ist als vorher angenommen (siehe oben), sollte die IUCN das meiner Meinung nach dringend überarbeiten.

Quellen: hier und hier

National Geographic: study about plastic waste| Studie über Plastik-Abfall — 7. October 2017

National Geographic: study about plastic waste| Studie über Plastik-Abfall

Mass production of plastics, which began just six decades ago, has accelerated so rapidly that it has created 8.3 billion metric tons … 6.3 billion metric tons has become plastic waste. (Half of all plastic manufactured becomes trash in less than a year)… Of that, only nine percent has been recycled.

via http://news.nationalgeographic.com/2017/07/plastic-produced-recycling-waste-ocean-trash-debris-environment/

And this recycling can make matters even worse: In China fleece are made of disposable water bottles from Germany (as part of the recycling quota) and sold back to Germany, where they pollute the waste water and lastly the sea with micro fibers (microbeads) due to cleaning and still end up as waste, but already broken down in small particles (instead of after 450 years like the original water bottle).
Waste minimisation instead of recycling, I say!


Die Massenproduktion von Kunststoff, die erst vor 6 Jahrzehnten begann, hat sich so rasant beschleunigt, dass sie 8,3 Milliarden metrische Tonnen erschaffen hat… 6,3 Milliarden metrische Tonnen davon sind zu Müll geworden (Die Hälfte alles hergestellten Kunststoffs wird innerhalb von weniger als einem Jahr zu Abfall)…Davon sind nur 9 Prozent recycled worden.

via http://news.nationalgeographic.com/2017/07/plastic-produced-recycling-waste-ocean-trash-debris-environment/

Und dieses Recycling kann alles noch schlimmer machen: In China werden aus Einweg-Wasserflaschen aus Deutschland (als Teil der Recycling-Quote) Fleece hergestellt und wieder nach Deutschland zurück verkauft, wo sie das Abwasser und letztlich das Meer mit Mikro-Fasern (Mikroplastik) beim Waschen verschmutzen und doch wieder als Abfall enden, aber schon in kleine Teilchen zersetzt (anstatt nach 450 Jahren wie die originale Wasserflasche).
Müllvermeidung anstelle von Recycling, sage ich!

Hai der Woche: Silberspitzenhai — 2. October 2017

Hai der Woche: Silberspitzenhai

Der Silberspitzenhai (Carcharhinus albimarginatus), obwohl leicht erkennbar wegen seiner namensgebenden weißen Ränder an allen Flossen (auch an den Brustflossen, anders als alle anderen “Weißspitzen”-Haiarten), wird of mit seinem kleineren Bruder Grauer Riffhai verwechselt. Beides sind Requiemhaie und können über oder in der Nähe von Korallenriffen im tropischen Indischen oder Pazifischen Ozean gefunden werden. Sie sind bekannt dafür, gemischte Ansammlungen zu bilden, und legen beide (leicht verschiedene) rituelle Drohverhalten (treat display) an den Tag, um Bedrohungen (wie andere Haie oder Taucher) zu verjagen und ihre Privatzone zu schützen. Der Scheinangriff  eines bis zu 3 m großen Silberspitzenhai (wie hier beschrieben) erinnert mich an männliche Gorillas. Während es aggressiv erscheint, betrachte ich es doch als defensives Verhalten. Es ist bemerkenswert, dass sie lieber fliehen oder wegscheuchen anstatt anzugreifen, wobei sie wegen ihrer Größe meistens siegen würden.

0979 aquaimages.jpg
Silvertip shark, Image taken by Clark Anderson/Aquaimages – Originaly uploaded to the english wikipedia, Image:0979 aquaimages.jpg, CC BY-SA 2.5, Link

Wie alle anderen Requiemhaie sind Silberspitzenhaie vivipar. Weibchen bringen alle zwei Jahre Würfe von ungefähr 5 Jungen nach einer Tragzeit von ca. einem Jahr zur Welt. Sie wachsen langsam und sind mit ca. 2 m Länge nach 20 Jahren erwachsen.

Silberspitzenhaie werden in direkten Hai-Fischereien, als Beifang und durch illegale Praktiken (IUU) gefangen, meistens für ihre Flossen und ihr Fleisch, aber auch für Knorpel, Leber, Zähne, Kiefer und Haut. Das führt dazu, dass sie in Gebieten wie Scott Reef vor Nordaustralien durch Indonesische Fischer ausgerottet sind. Deshalb betrachtet die IUCN sie als “gefährdet“. Es gibt jedoch keine artspezifischen Schutzmaßnahmen.

Trotz ihres neugierigen und aggressiven Verhaltens (siehe oben) und obwohl sie in der Lage sind (wegen ihrer Zähne, Größe und Stärke), sich mit großer Beute anzulegen, sind Silberspitzenhaie nicht bekannt dafür Menschen anzugreifen. Die ISAF hat nur 4 provozierte, nicht-tödliche Angriffe unter dieser Art verzeichnet.

Quellen: hier und hier

Hai der Woche: Karibischer Riffhai — 13. March 2017

Hai der Woche: Karibischer Riffhai

Obwohl es der häufigste riff-bewohnende Hai im Karibischen Meer ist, ist der Karibische Riffhai (Carcharhinus perezii) einer der am wenigsten untersuchten großen Requiemhaie. Er sieht seiner Schwesternart Schwarzhai sehr ähnlich, lebt aber ausschließlich auf oder in der Nähe von Korallenriffen im tropischen West-Atlantik von Florida bis zu Brasilien.

Carcharhinus perezi bahamas feeding
Karibischer Riffhai von Greg Grimes from Starkville, MS, USA – pic_0655, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
Karibische Riffhaie sind nachtaktiv und können bei Tage in Höhlen oder auf dem Meeresgrund ruhend angetroffen werden (einstmals berühmt in Mexiko als “schlafende Haie”). Sie werden mit einer Länge von 1,5 bis 1,7 m (Männchen) oder um die 2 m (Weibchen) erwachsen und können maximal 3 m erreichen, was sie zu einem der größten apex predator im Riff-Ökosystem macht. Die Weibchen sind ovovivipar und bringen alle 2 Jahre 3 bis 6 61 bis 76 cm große lebende Junge zur Welt.

Trotz ihrer Größe sind Karibische Riffhaie normalerweise nicht aggressiv zu Tauchern, außer in Anwesenheit von Futter – Speerfischer können versehentlich gebissen werden (es gibt 4 registrierte, nicht provozierte, nicht tödliche Angriffe durch diese Art), aber manchmal auch Teilnehmer von Tauchtouren mit Ködern. Haie durch Füttern anzulocken ist ein kontroverses Nebenprodukt des Ökotourismus (und in Florida verboten). Dass der Hai Menschen mit Futter assoziiert (wie bei Bären) scheint nur ein Problem zu sein, wenn die Art normalerweise Säugetiere frisst (wie der Weiße Hai), aber die künstliche Konzentration von Räubern (wie im obigen Bild) und die verstärkte Entnahme von Fischen aus der Umwelt als Hai-Köder (anstatt Fischabfälle zu benutzen) könnten bedenklich sein. Touristen, aber auch Fotografen und Filmemachern Haie zu zeigen ist profitabler als sie zu töten – und bietet einen nachhaltigen Lebensunterhalt für Ex-Fischer in Zeiten der Überfischung. Ausgenommen natürlich, dass deren Kollegen dieses veränderte Verhalten der Haie ausnutzen, um sie alle einzufangen, nicht auf Film sondern an den Tausenden mit Köder versehenen Haken der Longlinen.

Denn Karibische Riffhaie wurden und werden per Longline und Stellnetz für ihr Fleisch, Haut, Kiefer, Flossen und Leberöl gezielt gefischt oder als Beifang gefangen, was in ihrem Status als potenziell gefährdet resultiert. Es ist die häufigste Haiart im Kolumbianischen Fischfang, aber geschützt in den USA, den Bahamas und einigen Meeresschutzgebieten in Brasilien. Illegale Fischerei und der Verfall des Lebensraumes (Korallenbleiche) sind weitere Gefahren. Karibische Riffhaie vor Florida sind mit gefährlich hohen Werten von Methyl-Quecksilber  gefunden worden – höher als in den FDA-Richtlinien jedenfalls, die EU-Richtlinien sind anders und erlauben (meiner Meinung nach unverständlicherweise) höhere Werte für größere Raubfischarten.

Quellen: hierhier und hier

 

integrate compassion, listening and creativity into our actions | mit Mitgefühl, Zuhören und Kreativität handeln – from hundredgivers — 17. February 2017

integrate compassion, listening and creativity into our actions | mit Mitgefühl, Zuhören und Kreativität handeln – from hundredgivers

I think that these thoughts of an US-American, although triggered by recent political changes there, are absolutely true worldwide. Strategies for peaceful solutions of conflicts are more necessary than ever.

With our beloved democracy quickly descending into fear and clashing ideologies, I’ve begun to hunt for survival techniques. Instead of rocks and shouting matches, are there more effective ways to resolve our differences? Now would be a good time to get back to the basics, educate our hearts and minds and begin to integrate compassion, listening and creativity into our actions…

via How to Educate our Hearts and Minds to Bring More Compassion and Peace to the World — Hundredgivers


Ich denke, dass diese Überlegungen einer US-Amerikanerin, wenn auch angestoßen durch die kürzlichen politischen Veränderungen dort, durchaus weltweit gelten. Strategien zur friedlichen Lösung von Konflikten sind nötiger denn je.

Während unsere geliebte Demokratie rasch in Furcht und Ideologiekämpfe herabsinkt habe ich angefangen, nach Überlebensstrategien zu suchen. Gibt es effektivere Wege, anstelle von Steinen und lautstarken Auseinandersetzungen, um unsere Unterschiede zu überwinden? Jetzt wäre eine gute Zeit, um zu den Grundlagen zurückzukehren, unsere Herzen und unseren Verstand in die richtige Richtung zu formen und damit zu beginnen, mit Mitgefühl, Zuhören und Kreativität zu handeln…

siehe How to Educate our Hearts and Minds to Bring More Compassion and Peace to the World — Hundredgivers

Hai der Woche: Bullenhai — 5. December 2016

Hai der Woche: Bullenhai

Es ist bekannt, dass Haie in Salzwasser leben. Sicher gibt es so etwas Seltsames wie Flusshaie (wie der Gangeshai), die nur Süßwasser zu vertragen scheinen (aber erwiesenermaßen auch durch Salzwasser wandern). Aber alle anderen Haie leben ausschließlich im Ozean oder in Brackwasser-Kinderstuben, um ihre Jungen zu schützen, oder? Leider ist das falsch.

Denn es gibt den Bullenhai (Carcharhinus leucas). Auch wenn ihre Kinderstuben in Brackwasser liegen, vertragen ältere Bullenhaie sowohl einen hohen Salzgehalt als auch gar keinen, was sie befähigt, weltweit an tropischen bis subtropischen Meeresküsten sowie in Flüssen und Seen zu leben.


(Video S3 eines schwangeren Bullenhaies von Brunnschweiler J, Baensch H (2011). “Seasonal and Long-Term Changes in Relative Abundance of Bull Sharks from a Tourist Shark Feeding Site in Fiji“. PLOS ONE. DOI:10.1371/journal.pone.0016597. PMID 21346792. PMC: 3029404., CC by 2.5 )

Bullenhaie sind in der Lage, durch ihre Nieren, Kiemen, Leber und eine spezielle Drüse nahe des Schwanzes Salz zurückzuhalten (was eine stark erhöhte Produktion von hochverdünntem Urin erfordert und energetisch sehr anspruchsvoll ist). Dadurch überleben und sogar florieren sie in Süßwasser so weit flußaufwärts wie 3 800 km den Mississippi hinauf oder 4 200 km den Amazonas. Es gibt sogar eine Population von Bullenhaien im Nikaraguasee in Mittelamerika die anscheinend separat ist, aber Tagging bewies dass sie zwischen dem See und dem Karibischen Meer hin und her wandern und dabei 8 Stromschnellen überwinden. Seit einem Hochwasser in den 1990ern ist sogar ein Golfplatz-See in Queensland in Australien die Heimat von Bullenhaien.

Der Bullenhai ist eine kräftige Art mit kleinen Augen und einer stumpfen Schnauze (daher der Name) und einer durchschnittlichen Länge von 2,4 m (weiblich) und 2,25 m (männlich), aber es gibt eine einzelne Aufzeichnung von einem schwangeren weiblichen Exemplar von 4 m Länge in einem Afrikanischen Fluss. Ihre Geschlechtsreife scheint vom Ort abzuhängen und dauert bis zu 14-15 Jahre für Männchen und 18 Jahre für Weibchen. Bullenhaie sind ovovivipar wie andere Requiemhaie.

Als opportunistische Esser fressen Bullenhaie alles, von Fischen und anderen Haien (sogar kleinen Bullenhaien) zu Schildkröten, Vögeln, Delfinen und Landsäugetieren wie Hunden oder Nilpferden, aber auch Kadavern und (im Falle von Indischen Flüssen) Leichen. Sie müssen das tun (wie ober erwähnt), um im Süßwasser mit seinem nicht vorhandenen Salzgehalt und dem signifikant höheren negativem Auftrieb zu überleben. Im Meer kann ihr Stoffwechsel runtergefahren werden.

Basierend auf ihrem Lebensraum kommen Bullenhaie oft in Kontakt mit Menschen. In den klaren Gewässern der Bahamas z.B. haben Taucher regelmäßig Umgang mit Ansammlungen von Bullenhaien, ohne Probleme. Einige Forscher vermuten, dass dieses nicht-bedrohliche Verhalten daher kommt, dass die Haie die Menschen klar sehen können und erkennen, dass sie nicht typische Beutetiere sind. In trüberen Gewässern jedoch passieren Zwischenfälle, und Menschen werden gebissen und sterben manchmal daran. Einige Bullenhaie sind territorial und und haben praktisch keine Toleranz für Provokationen, was die Dinge auch nicht leichter macht.

Wegen seines Lebensraumes, aber auch seiner Größe, Stärke und Zähne gilt der Bullenhai bei manchen Experten als der gefährlichste Hai der Welt.  Wenn es so etwas wie einen Menschenfresser-Hai gibt, so wäre das der Bullenhai und nicht der Weiße Hai. Letzterer könnte vielmehr für viele Angriffe, die seiner Art zu Last gelegt werden (darunter die berühmten Haiangriffe in New Jersey im Jahre 1916, die als Inspiration für Der Weiße Hai gedient haben mögen) nicht verantwortlich sein, sondern der Bullenhai mit seinem nahezu identischem Gebiss. Es ist erstaunlich, dass es nicht mehr Zwischenfälle gibt, was nur bestätigt, dass sie nicht wirklich an uns interessiert sind und ein Angriff normalerweise nur ein Fehler ist.

Der Bullenhai wird als Beifang in Longline-Fischereien gefangen, aber öfter von kleinen Fischern für sein Fleisch, Flossen und Haut aufs Korn genommen, weil er so reichlich in ufernahen Gebieten und Flüssen vorhanden ist. Zusätzlich ist er ein populäres Ziel von Hobbyanglern. Wegen der Verschmutzung ihres Lebensraumes in flachen Küstengewässern, Flüssen und Seen und der Überfischung ihrer Kinderstuben haben die Zahlen von Bullenhaien signifikant abgenommen.

Quellen: hierhier, hier und hier

Hai der Woche: Nachthai — 28. November 2016

Hai der Woche: Nachthai

Wustest Du, dass die Hai-Fischereien vor der Nordostküste Brasiliens fast ausschließlich Haie fangen, die gefährliche Mengen von Quecksilber enthalten? 90% der gefangenen Haie und Rochen sind Nachthaie (Carcharhinus signatus), eine Tiefseeart, die vertikal wandert von einer Tiefe bis zu 2 km tagsüber zu 26 m unter der Oberfläche in der Nacht (daher der Name). Er lebt über dem äußeren Festlandsockel und dem oberen Kontinentalrand auf beiden Seiten des Atlantiks.

Der Nachthai ist ein schlanker, schneller Hai und wird normalerweise 2 m lang. Er hat eine lange spitze Schnauze und große grüne Augen. Wie alle Requiemhaie ist er ovovivipar und bringt nach einer Tragzeit von einem Jahr 4–18 lebende Junge zur Welt, die 50 bis 72 cm groß sind. Jeder Embryo hat seinen eigenen abgetrennten Bereich in einer der zwei Gebärmütter und wird von einem Dottersack und später durch eine Plazentaverbindung ernährt. Männchen werden mit 8 und Weibchen mit 10 Jahren erwachsen.

Carcharhinus signatus nefsc2.jpg
Nachthai, NOAA/NEFSC – http://nefsc.noaa.gov/rcb/photogallery/sharks/sharks.html, Gemeinfrei,

Weil er für seine wertvollen Flossen und Fleisch, aber auch für Leberöl und Fischmehl aufs Korn genommen wird, wird der Nachthai kommerziell und als Beifang gefischt. Er ist noch die üppigste Elasmobranchii-Art in den Tiefseeberg-Fischereien vor Brasilien. Früher alltäglich in den Hai-Fischereien der Karibik, Kuba und der USA, sorgte der Fischerei-Druck auch dort für einen beträchtlichen Rückgang. Deshalb hat die IUCN den Nachhai global als gefährdet eingestuft, auch wenn das USA-Fangverbot dort zu wirken scheint.

Wenn man bedenkt, dass die gefangenen Nachthaie vor Brasilien hauptsächlich jugendlich sind (ich denke, dass die dortigen flachen Tiefseeberge Kinderstuben für Nachthaie sind), ist es umso alarmierender, dass die gefangenen Haie Quecksilberwerte enthalten, die höher sind als im Brasilianischen Gesetz (und WHO-Empfehlungen) erlaubt – welche Quecksilberwerte würden wohl erwachsene Haie haben, die ja mehr Jahre Zeit hatten um es anzureichern?

Quellen: hier und hier

Hai der Woche: Kleingefleckter Katzenhai — 24. October 2016

Hai der Woche: Kleingefleckter Katzenhai

Wusstest Du, dass es auch Haie in der Ostsee gibt? Keine der Arten, die sich nur in Süßwasser wohlfühlen (wie z.B. die Flusshaie oder Süßwasserstechrochen), und auch glücklicherweise nicht der Bullenhai, sondern Zuwanderer aus der Nordsee oder dem Atlantik. Viele werden wohl durch Einströmungen von Salzwasser infolge von Stürmen mitgespült oder wandern temporär in das danach salzigere Wasser ein. Aber eine Art hat sich häuslich eingerichtet und bewohnt sogar Gebiete, die weit von den Übergängen zum Salzwasser entfernt sind. Der Kleingefleckte Katzenhai (Scyliorhinus canicula) ist die häufigste europäische Haiart und lebt im Mittelmeer, im nordöstlichen Atlantik und in der Nordsee, seit einiger Zeit inklusive Skagerrak und Kattegat. Aber nun ist er sogar, wie diese Reportage zeigte, in der deutschen Ostsee (genauer vor der Insel Poel) heimisch geworden.

Scyliorhinus canicula 1 by Line1.jpg
Scyliorhinus canicula, Von Liné1Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Der bis zu 1 m große Kleingefleckte Katzenhai wird auch kommerziell genutzt: für sein Fleisch (die Leber ist giftig), seine Sandpapier-artige Haut, Öl oder auch Fischmehl. In der Ostsee wurden Katzenhaie (benannt nach ihren katzenartigen Augen: horizontal ovale Augen mit länglichen Pupillen und einer Nickhaut) auch ab und zu gefangen. Hinterher wurden sie entweder wieder freigelassen (mit einer hohen Überlebensrate) oder, wie hier geschildert, an Aquarien abgegeben (wo Kleingefleckte Katzenhaie leicht gehalten werden können und deshalb eine häufige Art sind). Dort kann man sie in einigen Fällen sogar anfassen. Ich habe mit meiner Familie auch schon so ein Aquarium in Dänemark besucht und neugierig Haie, Rochen und Seesterne unter Wasser berührt – bevor ich in diesem Sommer in Schottland erfuhr, dass man das nicht tun soll weil man damit die schützende Schleimschicht über ihrer Haut verletzt. Warum das die anderen Aquarienbetreiber nicht wussten?

Wie alle Katzenhaie legt auch der Kleingefleckte Katzenhai Eier, Nixenhandtasche (mermaid’s purse) oder Meermaus genannt, mit geringelten Fäden an jedem Ende, die sich an Unterwasser-Strukturen festkrallen. In diesen entwickelt sich je ein Embryo (selten auch zwei) über 5 bis 11 Monate hinweg, was gut studiert werden kann (und in Laboratorien auch wird). Nach dem Schlupf müssen die 10 cm großen Jungtiere für sich selbst sorgen. An ihnen wurde erstmals beobachtet, dass sie mit ihren Haut-Zähnen (Denticles) am Schwanz Beutetiere festhalten und dann Stücke abbeißen – sie sind sehr gelenkig.

Diese Eikapseln und frisch geschlüpfte Jungtiere waren nun auch in der Osteee gefunden worden – ein Zeichen, dass es nicht mehr nur zeitweise Besucher sind. Es wird vermutet, dass es am Klimawandel liegt. Wie sie wohl mit dem geringen Salzgehalt zurechtkommen?

Quellen: hier, hier und hier