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Hai der Woche: Bogenstirn-Hammerhai — 8. January 2018

Hai der Woche: Bogenstirn-Hammerhai

Haie haben besondere Heilungsfähigkeiten. Sie bekommen oft Wunden (durch Paarungsrituale, Kämpfe, Kollisionen mit Riffen oder Fischereigerät), die jedoch erstaunlich schnell heilen. Ein Anteil daran hat die Tatsache, dass Haut-Dentikel Zähne sind und, ebenso wie die richtigen Zähne, kontinuierlich nachwachsen. So werden Wunden erst schnell mit temporären, größeren Dentikeln verschlossen, diese Narbe wird innerhalb von 6 Monaten jedoch wieder mit normal geformten Dentikeln unsichtbar gemacht.

Ein Beispiel dafür wurde in Bogenstirn-Hammerhaien (Sphyrna lewini) gefunden. Diese Art der Hammerhaie (auch als Gekerbter Hammerhai bekannt) lebt weltweit in küstennahen warmen und tropischen Gewässern nahe der Oberfläche, teilweise in großen Schulen. Das und die Tatsache, das es viele getrennte Sub-Populationen gibt, machen diese Art sehr anfällig für Fischereidruck. Sie werden gezielt für ihr Fleisch und ihre Haut, vor allem aber ihre Flossen,  oftmals auch illegal (IUU), als Beifang und durch Sportfischer als big-game-Fisch gefangen. Deshalb stuft die IUCN sie weltweit als stark gefährdet ein.

Hammerhead shark, Cocos Island, Costa Rica.jpg
Bogenstirn-Hammerhai by Barry PetersFlickr, CC BY 2.0, Link

Bogenstirn-Hammerhaie werden bis zu 4,3 m lang (im Durchschnitt aber nur 2,5 m als Weibchen und 1,8 m als Männchen). Sie sind ovovivipar (wenn der Dottersack aufgebraucht ist, wird er in eine Plazentaverbindung umgebaut) und bringen nach 9 bis 12 Monaten in bestimmten, flachen Kinderstuben-Gebieten bis zu 40 lebende Junge zur Welt. Diese wachsen langsam und werden oft Opfer von anderen Haien, was die relativ großen Würfe erklärt.

Quellen: hier, hier und hier

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Hai der Woche: Stachelige Meersau — 1. January 2018

Hai der Woche: Stachelige Meersau

Mein erster Hai der Woche im Jahr 2018 ist die Stachelige Meersau.

Zuerst als Kadaver an einem Strand auf Bruny Island vor dem Südosten Tasmaniens entdeckt, daher der Name Oxynotus bruniensis, kann diese Art der Familie Rauhaie (oder Schweinshaie oder Meersauen) über dem äußeren Kontinentalschelf oder Inselschelf im südlichen Australien und in ganz Neuseeland gefunden werden.

Oxynotus bruniensis.jpg
A prickly dogfish (Oxynotus bruniensis) at the Rumble V submarine volcano (cropped version of original to focus more on the fish) by New Zealand-American Submarine Ring of Fire 2005 Exploration, NOAA Vents Program – http://oceanexplorer.noaa.gov/explorations/05fire/logs/april22/media/dogfish.html, Gemeinfrei, Link

Mit einem ausgeprägten “Buckel” und extrem rauer Haut sieht die Stachelige Meersau etwas anders aus als andere Meersauen, aber die Form und die “Segelflossen” sind unverwechselbar. Sie ist ovovivipar mit ungefähr 7 Jungen, die mit 24 cm Länge geboren werden. Sie wird bis zu 75 cm groß.

In einem typischen Tiefenbereich zwischen 350 und 650 m lebend, ist die Stachelige Meersau anfällig dafür, als Beifang von Schleppnetz-Schiffen gefangen zu werden.

Quellen: hier und hier

Hai der Woche: Segelflossen-Meersau — 25. December 2017

Hai der Woche: Segelflossen-Meersau

Warum die Graue Meersau oder Segelflossen-Meersau mit dem wissenschaftlichen Namen Oxynotus paradoxus gesegnet ist, mag nur Monsieur Frade bekannt sein, der diesen Namen 1929 begründet hat. Ich weiß nicht, warum diese Art der Schweinshaie in die Kategorie der paradoxen biologischen Arten einsortiert werden sollte.

Wie alle Schweinshaie (oder Rauhaie oder Meersauen) hat die Segelflossen-Meersau raue Haut mit großen Dentikeln, sieht aus wie eine Flottille von Segelbooten, lebt in der Tiefsee (in Tiefen zwischen 265 und 720 m) und ist ovovivipar. Die Jungen werden mit 25 cm Länge geboren und wachsen bis zu maximal 1,2 m.

Oxynotus paradoxus.jpg
Oxynotus paradoxus by © Citron / , CC BY-SA 3.0, Link

Im östlichen Nordatlantik von Schottland bis Senegal lebend, ist die Segelflossen-Meersau, wie alle Tiefsee-Arten ein (wenngleich seltener) Beifang der der Küste vorgelagerten Schleppnetz-Fischereiflotte. Weil sie schlecht erforscht ist, betrachtet die IUCN ihren Status als Data deficient (ungenügende Datengrundlage).

Quellen: hier und hier

Hai der Woche: Portugiesendornhai — 18. December 2017

Hai der Woche: Portugiesendornhai

Haie aus der Familie Schlafhaie sind hart im Nehmen: sie mögen es kalt (wie der Grönlandhai) ebenso wie heiß (wie der Pazifische Schlafhai). Aber einer von ihnen mag es auch tief: der Portugiesendornhai (Centroscymnus coelolepis) ist der Rekordhalter in Bezug auf die größte Tiefe, die ein Hai je erreicht hat. Er bewohnt normalerweise Tiefen unter 400 m, aber wurde auch in einer Tiefe von 3 675 m gefangen. Er ist auch in anderer Hinsicht etwas besonderes. Er hat sehr große Dentikel, die wie die Schuppen von Knochenfischen geformt sind, und seine Augen sind gut an Tiefsee-Bedingungen angepasst: groß und grün wegen einer Reflexionsschicht namens Tapetum lucidum (wie Katzenaugen), sind seine Zellen für das Erkennen von Bewegung und Biolumineszenz optimiert.

A small, dark brown, heavy-bodied shark with large green eyes and small fins, lying on the ground next to a meterstick
Centroscymnus coelolepis by Jon Moore – Marine Fisheries Review 65(4), Public Domain, Link

Der Portugiesendornhai kann weltweit, wenn gleich sehr lückenhaft, in mehreren getrennten Populationen im Atlantik, Mittelmeer, Pazifik und Indischen Ozean gefunden werden. Er ist durchschnittlich 1 m lang und ovovivipar mit im Durchschnitt 12 Jungen nach einer Tragzeit von einem Jahr (aufgrund der Weitläufigkeit der Tiefsee scheint es so zu sein, dass die Paarung den Eisprung auslöst).

Es gibt eine Tiefentrennung nach Größe und Geschlecht; weil schwangere Weibchen in flacheren Gewässern der Tiefsee zu finden sind, sind sie durch Fischereidruck mehr gefährdet. Er wird gezielt für das Squalen in seiner Leber (22 bis 49% nach Gewicht) und sein Fleisch gefischt, aber hauptsächlich als Beifang von Bodenschleppnetz-Schiffen gefangen. Deshalb betrachtet die IUCN den Portugiesendornhai als potentiell gefährdet und sogar als stark gefährdet in Europäischen Gewässern, trotz einer Fangquote (Total Allowable Catch) von 0 seit 2010, weil er als Tiefsee-Art, selbst wenn wieder über Bord geworfen, eher eine geringe Überlebenswahrscheinlichkeit hat. Es scheint dass eine getrennte Unterpopulation im Mittelmeer sicher ist, weil sie außerhalb des Bereiches der heutigen Fischerei auftritt und zusätzlich seit 2005 ein Verbot des Fischfanges unter 1000 m existiert.

Quellen: hier, hier und hier

Hai der Woche: Stachelhai — 11. December 2017

Hai der Woche: Stachelhai

Der Stachelhai (Echinorhinus cookei), der aussieht wie der große Bruder des Ninja-Laternenhai, ist glücklicherweise nicht so reizbar, wie die zweite Bedeutung seines englischen Namen Prickly shark vermuten könnte. Im Gegenteil, trotz seiner Größe von bis zu 4 m ist er eher scheu gegenüber Menschen.

Echinorhinus cookei head2
head of Echinorhinus cookei by D Ross Robertson [Public domain], via Wikimedia Commons
Der Stachelhai ist, genauso wie sein Bruder Echinorhinus brucus aus der Familie Nagelhaie oder Alligatorhaie, bekannt für seine dornenartiken Hautschuppen (denticle). Daher kommt auch ihr wissenschaftliche Name Echinorhinus, aus dem Griechischen für echinos = Seeigel oder Igel und rhinos = Nase. Er lebt in tieferen Küstengewässern des Pazifik von Kalifornien und Hawaii bis Chile und China bis Neuseeland und bleibt als Stubenhocker in eher kleinen Heimatgebieten von 2.2 km2 Größe. Er mag es eher kühler und lebt deshalb tagsüber in Tiefen bis zu 1500 m, kommt aber nachts nahe an die Oberfläche.

Stachelhaie werden nicht direkt aufs Korn genommen (ihr Fleisch schmeckt nicht), sind aber oft Opfer von Beifang der Tiefsee-Schleppnetzfischerei für unseren immer mehr wachsenden Bedarf an Fischmehl (für Aquakulturen und Schweine-, Huhn- und sogar Kuhhaltung). Deshalb werden sie, obwohl bis zu 114 Jungtiere in einem Weibchen gefunden wurden (sie sind ovovivipar), von der IUCN als potentiell gefährdet angesehen.

Quelle: hier, hier und hier

Hai der Woche: Kurzschwanz-Ammenhai — 4. December 2017

Hai der Woche: Kurzschwanz-Ammenhai

Der Kurzschwanz-Ammenhai (Pseudoginglymostoma brevicaudatum) hat einen sehr langen wissenschaftlichen Namen. Das liegt daran, dass er seit 1986 nicht mehr in der Gattung Ginglymostoma einsortiert wird wie der Pazifische Ammenhai und der Atlantische Ammenhai, sondern als falscher (Pseudo) – Ammenhai bezeichnet wird.

Wie der Name schon sagt, hat dieser Ammenhai einen extrem kurzen Schwanz. Er ist auch der kleinste seiner Familie mit gerade mal 75 cm Länge. Anders als beim Indopazifischen Ammenhai, der in Wirklichkeit ovovivipar ist, wo sich aber die Eikapseln in Gefangenschaft anhäufen und unbefruchtet abgestoßen werden, legt der Kurzschwanz-Ammenhai tatsächlich Eikapseln (ovipar), aus denen nach ca 5 Monaten Junge schlüpfen, wie die erfolgreiche Zucht im Amsterdamer Zoo seit 2006 beweist.

egg-case Pseudoginglymostoma brevicaudatum
Egg capsule of Pseudoginglymostoma brevicaudatum, © Chris Avila, Toronto Bentic Sharks, Canadian Marine Aquaculture, Toronto

Auf Korallenriffen vor der Küste von Ost-Afrika und Madagaskar in getrennten Unter-Populationen lebend, ist der Kurzschwanz-Ammenhai wegen des hohen Fischereidruckes (er wird als Beifang und für Flossen, Fleisch und Haut gefangen) und der Zerstörung seines Lebensraumes als “gefährdet” eingestuft. Er wird auch für Aquarien gefangen, die jetzt aber auch aus Nachzuchten beliefert werden könnten.

Quellen:hierhierhier und hier

Hai der Woche: Kragenband-Teppichhai — 20. November 2017

Hai der Woche: Kragenband-Teppichhai

Wusstest Du, dass es Haie mit Chamäleon-Eigenschaften gibt? Sie sind bis zu einem gewissen Grad in der Lage, zum Verstecken ihre Farbe zu wechseln. Einer von ihnen (auch wenn es nicht im Video zu beobachten ist), ist der Kragenband-Teppichhai (Parascyllium collare), nach dessen englischen Namen Collared carpetshark die ganze Familie Kragenteppichhaie (Collared carpet sharks) benannt ist.

Genauso wie der Rotblonde Teppichhai von letzter Woche lebt der Kragenband-Teppichhai vor Australien, genauer gesagt in Tiefen von 55 bis 128 m in Nähe des Bodens von Felsenriffen auf dem Kontinentalsockel vor Ost-Australien. Er ist häufig, aber nur wenig bekannt. Seine maximale Länge ist nur 85 cm und Weibchen sind ovipar.

Kragenband-Teppichhaie werden nicht gezielt gefischt, aber oft als Beifang gefangen, da sie in einigen Gebieten mit heftiger Schleppnetz-Fischerei leben. Sie werden meistens über Bord geworfen (wenn nicht, werden sie später als Köder benutzt) und überleben dies, deshalb werden sie als nicht gefährdet angesehen. Sie profitieren auch von Gebieten mit geringen Fischereidruck.

Quellen:hierhier und hier

Hai der Woche: Atlantischer Zwerghai — 30. October 2017

Hai der Woche: Atlantischer Zwerghai

Will jemand ein weiteres Beispiel zum Beweis der Plattentektonik? Nun, der Atlantischer Zwerghai (Carcharhinus porosus – so genannt nach wirklich großen Poren hinter seinen Augen) wurde bis 2011 betrachtet als in Küstengewässern auf beiden Seiten des Isthmus von Panama lebend: im westlichen Atlantik vom nördlichen Golf von Mexiko bis zum südlichen Brasilien ebenso wie im östlichen Pazifik vom Golf von Kalifornien südlich bis nach Peru. Ein folgenschwerer Fehler, der bis jetzt anzudauern scheint (siehe die IUCN Rote Liste und die Homepage des Florida Museums). Tatsächlich aber kann seine Schwesterart Pazifischer Zwerghai (Carcharhinus cerdale) im östlichen Pazifik gefunden werden, und der Atlantische Zwerghai lebt nur im west-atlantischen Teil. Beide wurden vor ungefähr 2,8 Millionen Jahren getrennt und haben sich in verschiedene Arten entwickelt (genauso wie Weißnasenhai und Schwarznasenhai auch ein Beweis für die Evolution).

Carcharhinus porosus SI.jpg
Carcharhinus porosus by D Ross Robertsonhttp://biogeodb.stri.si.edu/caribbean/en/gallery/specie/100, Public Domain, Link

Dieser kleine (im allgemeinen nur bis zu 1,1 m lange) Requiemhai ist langsam wachsend und vivipar mit 2 bis 9 Jungen alle 2 Jahre nach einer Tragzeit von ca. 12 Monaten. Er kann in Bodennähe von Küstengewässern und Flussmündungen gefunden werden und bildet große, nach Geschlecht getrennte Schulen.

Entlang der nördlichen Brasilienküste, wo einige seiner Kinderstuben sind, ist der Atlantische Zwerghai der an häufigsten vorkommende Hai, und in Trinidad ist er der wirtschaftlich bedeutendste Hai (unter dem Namen puppy shark). Fischereidruck als Beifang oder gezielt (für Fleisch, Flossen, Knorpel und Leber-Öl)  haben einen signifikanten Rückgang der Zahlen verursacht, weswegen er in Brasilien die ICUN-Einstufung gefährdet bekommen hat, wo hauptsächlich Heranwachsende gefangen wurden, aber weltweit nur data deficient. Weil sein Lebensraum viel begrenzter ist als vorher angenommen (siehe oben), sollte die IUCN das meiner Meinung nach dringend überarbeiten.

Quellen: hier und hier

Hai der Woche: Tigerhai — 23. October 2017

Hai der Woche: Tigerhai

Wie der Schwarzspitzen-Riffhai aus der letzten Woche werden viele Haie von Sportfischern aufs Korn genommen. Nach dem Film “Der weiße Hai” wurde es cool und männlich, “Menschenfresser”-Haie als “big game” zu fangen, entweder alleine oder in Wettkämpfen. Selten werden sie danach genutzt (anders als bei Kleinstfischereien) – es geht um den Nervenkitzel. Und das Töten, auch wenn einige Wettkämpfe einen catch-and-release-Ansatz (Fangen und wieder Freilassen) versuchen (wenn der Hai die Verletzungen und den Stress überlebt, und sogar das Hochziehen kann für manche Haie wie Tiefseehaie und hochschwangere Weibchen gefährlich sein). Weil der Tigerhai (Galeocerdo cuvier) einen Ruf als menschenfressende Tötungsmaschine hat, ist er ein Hauptziel. Wie hier herausgestellt führt das zu vielen Tötungen. Allein in Kalifornien ist der Anteil der als Sport getöteten Tigerhaie 6 mal so groß wie der vom kommerziellen Fischfang. Kommerziell werden sie als Beifang gefangen oder gezielt für ihre Flossen, Fleisch (der Quecksilberanteil im Fleisch dieser Haie ist geringer als in anderen großen Requiemhai-Arten wegen ihrer Ernährung), Haut, Knorpel und Leber-Öl.

Ja, Haie können beißen. Und wegen seiner Größe (Weibchen bis zu mehr als 5 m und Männchen bis zu 4 m Länge), Kraft und Gebiss kann ein ausgewachsener Tigerhai erheblichen Schaden anrichten – seine sägezahnförmigen Zähne sind immerhin in der Lage, durch einen Schildkrötenpanzer zu schneiden. Laut ISAF wird er nur noch vom Weißen Hai in Bezug auf die Zahl der gemeldeten Angriffe auf den Menschen übertroffen, viele von ihnen tödlich. Aber wenn Du dieses Video anschaust scheinen sie eher gutmütig und schwerfällig zu sein. Sie sind groß, neugierig und potentiell gefährlich, aber keine bösen Tötungsmaschinen.

Tigerhaie leben in tropischen und subtropischen Gewässern überall auf der Welt und unterziehen sich einer saisonalen Fernwanderung. Als opportunistische Fresser ernähren sie sich hauptsächlich von Fisch, Kopffüßern, Krabben, Seeschlangen, Seevögeln und Aas, aber mit fortschreitendem Alter mehr und mehr von Robben, Schildkröten, Gabelschwanzseekühen, Delphinen und verletzen Walen. Wie Neil Burnie sagte: “Tigerhaie mögen die Toten, Sterbenden und Dummen” (ich würde noch Müll ergänzen, da sie manchmal auch Abfall essen), weil sie nicht mäkelig sein können. Zu solch einer Größe zu wachsen in relativ nährstoffarmen warmen Gewässern ist keine leichte Aufgabe (Weiße Haie bewohnen meist kühlere Gewässer).

Tigerhaie sind einzigartig innerhalb ihrer Familie. Zunächst haben sie Spritzlöcher und einen geräumigen Magen mit muskulären Wänden, die proportional dreimal so dick sind wie bei allen anderen Requiemhaien. Auch, anders als alle anderen Requiemhaie, sind die Weibchen ovovivipar und nicht vivipar. Das bedeutet, dass die Jungen im Uterus schlüpfen, aber nicht von einer Plazenta-Verbindung ernährt werden, nachdem der Dottervorrat zur Neige gegangen ist. Während ihrer Tragzeit von bis zu 16 Monaten stellt die Mutter jedoch unbefruchtete Eier (Oophagie) und das eine oder andere Geschwister zum Anknabbern (in-utero Kannibalismus) zur Verfügung. Aber anders als beim Sandtigerhai überleben viele, was in großen Würfen von 10 bis 80 Jungen resultiert (anders als bei fast alle anderen Requiemhaie).

Die 51 bis 76 cm langen neugeborenen Tigerhaie bleiben in ihren seichten Kinderstuben und wachsen schnell. Das ist nötig, weil ihre schlanken und filigran gebauten Körper mit übergroßen Flossen und einmaliger Schwanzstruktur (ein verlängerter oberer Schwanzflossen-Lappen) sie zu einem aalähnlichen Schlängeln verdammen, ein ineffizienter Schwimmstil, der sie zur leichten Beute von Räubern wie größeren Haien (sogar andere Tigerhaie) macht. Sie entwachsen ihrer ‘ungeschickten Phase’ nicht, bevor sie 2,4 m Länge mit etwa 4 Jahren erreicht haben. Danach machen ihr kraftvoller Körperbau und Flossen sie zu erfolgreichen Räubern mit überraschenden Spurts.

Wie der Schwarzspitzen-Riffhai hat der Tigerhai große Augen mit einer reflektierenden Schicht namens tapetum lucidum, wie eine Katze fürs nächtliche Jagen. Normalerweise betreten sie seichte Küstengewässer nachts und verbringen den Tag im tieferen Gewässern der offenen See. Aber wenn ihre Beute wie die Hawaii-Mönchsrobbe während der Tageszeit in der Nähe des Ufers bleibt und unter dem Schutz der Dunkelheit in tieferen Gewässern nach Futter sucht, passen sich die Tigerhaie an und drehen ihr übliches Tag-Nacht-Muster um und bleiben vor der Küste während des Tages und bewegen sich nachts in die offene See.

Tigerhaie werden von der IUCN wegen Fischereidruck und fragwürdigen Hai-Kontrollprogrammen als “potentiell gefährdet” angesehen. Aber ihre weite Verbreitung und hohe Wachstums- und Fortpflanzungsraten bieten Grund zur Hoffnung. Es wurde festgestellt, dass das Überleben der Heranwachsenden anstieg, wenn die ausgewachsenen Tigerhaie durch Fischerei dezimiert wurden und dadurch die Predation der Jungen nachließ.

Quellen: hier, hier und hier

Hai der Woche: Schwarzspitzen-Riffhai — 16. October 2017

Hai der Woche: Schwarzspitzen-Riffhai

Der Schwarzspitzen-Riffhai (Carcharhinus melanopterus – abgeleitet von melas = schwarz und pteron = Flügel oder Flosse (siehe Pterosaurier)) ist ein weiterer Requiemhai, der in Korallenriffen lebt. Er bewohnt küstennahe Gewässer des tropischen und subtropischen Indo-Pazifik von Südafrika bis Hawaii (hat sogar das östliche Mittelmeer durch den menschengemachten Suez-Kanal besiedelt) und bevorzugt seichtere Gewässer als seine Kollegen Grauer Riffhai und Weißspitzen-Riffhai. Ihre Kinderstuben (die Weibchen sind vivipar und bringen lebende Junge zu Welt, nachdem sie diese mit Dotter und über eine Plazenta-Verbindung ernährt haben) können so flach sein, dass die Jungen mit ihrer Rückenflosse aus dem Wasser ragend schwimmen müssen und aussehen “wie eine Flotte von Mini-Segelbooten” (Zitat von hier).

An expanse of clear water and white sand, and several sharks swimming with their black-tipped dorsal fins protruding above the water
Carcharhinus melanopterus by Leon Brocard from London, UK – PIMG_2915, CC BY 2.0, Link

Nicht nur Junge bevorzugen es, aus Schutzgründen in Gruppen zu bleiben, auch erwachsene Schwarzspitzen-Riffhaie bilden stabile Gruppen für soziale Zwecke und zur Jagd. Ihre Beute sind Fische, Krustentiere, Weichtiere und Tintenfische, aber auch Land- und Seeschlangen und sogar Ratten und Vögel. Sie haben große Augen mit einer reflektierenden tapetum lucidum wie eine Katze, was andeutet, dass sie nachts exzellent jagen können.

Wegen ihres extrem kleinen Reviers und ihrer hohen Standort-Treue sind Schwarzspitzen-Riffhaie anfällig für die Zerstörung ihres Lebensraumes und Fischereidruck (nur als Beifang bei kommerziellen Fischereien, aber gezielt von Kleinfischern für ihr Fleisch, Leber-Öl und Flossen, und auch von Sportfischern und für den Aquarienhandel). Ihre kleinen Würfe (nur 2 bis 5 Junge) und lange Tragzeit (bis zu 16 Monate) sind auch keine Hilfe. Sie werden als “potentiell gefährdet” von der IUCN angesehen. Normalerweise sind sie scheu und trotz ihrer Größe (typischerweise bis zu 1,6 m) keine Gefahr für den Menschen, aber manchmal beißen sie die Beine oder Füße von Watern, die in ihren Bereich eindringen, oder von Speer-Fischern für ihren Fang.

Quellen: hier, hier und hier