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Hai der Woche: Graziler Hai — 19. June 2017

Hai der Woche: Graziler Hai

Die Gründe für Hai-Namen sind manchmal mysteriös. Ein Beispiel ist der Grazile Hai (Carcharhinus amblyrhynchoides), der in vielen Sprachen einen ähnlichen Namen hat. Aber diese rare Art von Requiemhaien, die in Küstengewässern des tropischen Indo-Pazifik vom Golf von Aden bis zum nördlichen Australien lebt, ist nicht grazil sondern eher rundlich.

Carcharhinus amblyrhynchoides phuket.JPG
Von Tassapon KRAJANGDARA – http://www.fishbase.us/photos/thumbnailssummary.php?ID=860#, CC BY 3.0, Link

Mit einer Größe von bis zu 1,70 m ist der Grazile Hai potentiell gefährlich, aber er wurde für keine Haiangriffe verantwortlich gemacht. Er ist ovivipar, und Weibchen bringen jedes Jahr Würfe von bis zu 9 lebenden Jungen (im Durchschnitt 3) nach einer 9- bis 10-monatigen Tragzeit zur Welt. Wenn die sich entwickelnden Embryos ihren Vorrat an Dotter aufgebraucht haben, entwickelt sich aus den Resten des Dottensacks eine Plazenta-Verbindung zur Mutter.

Der Grazile Hai wird regelmäßig als Beifang in kommerziellen Fischereien gefangen und für sein Fleisch, Leberöl and Flossen genutzt. Im nördlichen Australien macht er 1,5% des Haifangs in Treibnetzen und 0,2% an Longlinen aus. Trotzdem wird er nur als potenziell gefährdet von der IUCN eingeschätzt.

Quellen: hier und hier

Hai der Woche: Hartnasenhai — 10. April 2017

Hai der Woche: Hartnasenhai

Kleine Haie fallen oft größeren Haien zum Opfer und überleben normalerweise, indem sie mehr Junge bekommen. Aber der Hartnasenhai (Carcharhinus macloti) hat eine geringe Vermehrungsrate: nur ein oder zwei Junge werden nach einer 12-monatigen Tragzeit alle zwei Jahre geboren, wie bei Apex-Predators.
Macloti karachi.jpg
Von Hamid Badar Osmany – FishBase, CC BY 3.0, Link

Der Hartnasenhai ist eine kleine Art der Requiemhaie, die in flachen Küstengewässern des Indo-Pazifik von Kenia über Südasien zum südlichen Japan und nördlichen Australien lebt. Er ist grau oder bronze oben und weiß unten und wurde Hartnase benannt, weil die Knorpel in seiner Schnauze stark verkalkt sind, anders als bei anderen Arten der Gattung Carcharhinus.

Weibliche Hartnasenhaie sind ovovivipar: ein oder zwei Embryos schlüpfen innerhalb der Gebärmutter und werden durch Dotter und später durch eine Plazenta-Verbindung genährt. Lebend mit einer relativ großen Länge von 45 cm geboren, werden sie mit 70 bis 75 cm erwachsen und erreichen eine Maximallänge von 110 cm. Ihre Haut ist mit überlappenden, ovalen Haut-Dentikeln bedeckt.

Hardnasenhaie bilden große, nach Geschlecht getrennte Schulen und sind Reisemuffel (Tagging-Daten zeigen, dass 30% der wieder eingefangenen Exemplare sich weniger als 50 km vom ursprünglichen Tagging-Ort entfernt hatten). Wegen einem hohen Fischereidruck durch handwerkliche und kommerzielle Fischereien und ihrer geringen Vermehrungsrate werden sie weltweit als potenziell gefährdet eingestuft (jedoch als nicht gefährdet in Australischen Gewässern).

Quellen: hier und hier

Hai der Woche: Pondicherryhai — 20. March 2017

Hai der Woche: Pondicherryhai

Einige Haie stören niedrige Salzwerte weniger als andere. Da sind die Flusshaie wie der Gangeshai, oder Bullenhaie, die sogar in beiden Welten gedeihen. Der Pondicherryhai (Carcharhinus hemiodon) scheint auch Süßwasser zu tolerieren. Im Jahre 1839 von deutschen Biologen nach dem indischen Territorium Puducherry (früher Pondicherry) benannt, wo er zuerst dokumentiert wurde, kann er in Flüssen und Küstengewässern des Indo-Pazifik um Indien, Indonesien und Neuguinea gefunden werden. Es ist eine extrem seltene Art von Requiemhaien, über die wenig bekannt ist. Er scheint nicht viel größer als 1 m zu werden (obwohl die deutsche Wikipedia-Seite eine Maximal-Länge von 1,50 bis 2 m angibt) und ist ovovivipar (wie alle anderen Requiemhaie).

Wenn man bedenkt,dass die meisten Exemplare vor 1900 gefangen wurden, gibt es selten Bilder von lebenden Pondicherryhaien. Weil ihr Lebensraum stark und unreguliert befischt wurde und wird, hat die IUCN diese Art im Jahr 2003 als akut vom Aussterben bedroht und möglicherweise ausgestorben eingestuft. Jedoch wurde er im Jahr 2016 in Flüssen in Sri Lanka gesichtet, wo er innerhalb der letzten 30 Jahre selten, aber doch immer mal wieder gefunden wurde.

Quellen: hier, hier und hier

Hai der Woche: Karibischer Riffhai — 13. March 2017

Hai der Woche: Karibischer Riffhai

Obwohl es der häufigste riff-bewohnende Hai im Karibischen Meer ist, ist der Karibische Riffhai (Carcharhinus perezii) einer der am wenigsten untersuchten großen Requiemhaie. Er sieht seiner Schwesternart Schwarzhai sehr ähnlich, lebt aber ausschließlich auf oder in der Nähe von Korallenriffen im tropischen West-Atlantik von Florida bis zu Brasilien.

Carcharhinus perezi bahamas feeding
Karibischer Riffhai von Greg Grimes from Starkville, MS, USA – pic_0655, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
Karibische Riffhaie sind nachtaktiv und können bei Tage in Höhlen oder auf dem Meeresgrund ruhend angetroffen werden (einstmals berühmt in Mexiko als “schlafende Haie”). Sie werden mit einer Länge von 1,5 bis 1,7 m (Männchen) oder um die 2 m (Weibchen) erwachsen und können maximal 3 m erreichen, was sie zu einem der größten apex predator im Riff-Ökosystem macht. Die Weibchen sind ovovivipar und bringen alle 2 Jahre 3 bis 6 61 bis 76 cm große lebende Junge zur Welt.

Trotz ihrer Größe sind Karibische Riffhaie normalerweise nicht aggressiv zu Tauchern, außer in Anwesenheit von Futter – Speerfischer können versehentlich gebissen werden (es gibt 4 registrierte, nicht provozierte, nicht tödliche Angriffe durch diese Art), aber manchmal auch Teilnehmer von Tauchtouren mit Ködern. Haie durch Füttern anzulocken ist ein kontroverses Nebenprodukt des Ökotourismus (und in Florida verboten). Dass der Hai Menschen mit Futter assoziiert (wie bei Bären) scheint nur ein Problem zu sein, wenn die Art normalerweise Säugetiere frisst (wie der Weiße Hai), aber die künstliche Konzentration von Räubern (wie im obigen Bild) und die verstärkte Entnahme von Fischen aus der Umwelt als Hai-Köder (anstatt Fischabfälle zu benutzen) könnten bedenklich sein. Touristen, aber auch Fotografen und Filmemachern Haie zu zeigen ist profitabler als sie zu töten – und bietet einen nachhaltigen Lebensunterhalt für Ex-Fischer in Zeiten der Überfischung. Ausgenommen natürlich, dass deren Kollegen dieses veränderte Verhalten der Haie ausnutzen, um sie alle einzufangen, nicht auf Film sondern an den Tausenden mit Köder versehenen Haken der Longlinen.

Denn Karibische Riffhaie wurden und werden per Longline und Stellnetz für ihr Fleisch, Haut, Kiefer, Flossen und Leberöl gezielt gefischt oder als Beifang gefangen, was in ihrem Status als potenziell gefährdet resultiert. Es ist die häufigste Haiart im Kolumbianischen Fischfang, aber geschützt in den USA, den Bahamas und einigen Meeresschutzgebieten in Brasilien. Illegale Fischerei und der Verfall des Lebensraumes (Korallenbleiche) sind weitere Gefahren. Karibische Riffhaie vor Florida sind mit gefährlich hohen Werten von Methyl-Quecksilber  gefunden worden – höher als in den FDA-Richtlinien jedenfalls, die EU-Richtlinien sind anders und erlauben (meiner Meinung nach unverständlicherweise) höhere Werte für größere Raubfischarten.

Quellen: hierhier und hier

 

Hai der Woche: Schwarzhai — 6. March 2017

Hai der Woche: Schwarzhai

Nachdem ich letzte Woche den Reisemuffel Atlantischen Ammenhai vorgestellt hatte, ist der Hai dieser Woche das Gegenteil: der Schwarzhai (Carcharhinus obscurus). Er kann weltweit in warmen Gewässern entlang der Küste (und auch im offenen Meer, Schiffen folgend) von Amerika, Australien und Afrika (und Teilen von Europa und Asien) gefunden werden. Er ist nomadisch und stark wandernd (auch wenn genetische Tests nahe legen, dass die Schwarzhaie vor Indonesien und Australien eigene Bestände bilden) und legt saisonbedingt (zwischen den Polen im Sommer und dem Äquator im Winter) bis zu 3 800 km zurück.

Obwohl er einer der größten Mitglieder der Requienhaie ist (er erreicht durchschnittlich 3,2 m und maximal 4,2 m Länge) und einen (für alle getesteten Haie größten) punktuellen Beißdruck an der Zahnspitze von 60 kg hat (wie menschliche Bisse auch, nebenbei bemerkt), ist der Schwarzhai keine Gefahr für den Menschen (die sehr wenigen unprovozierten Angriffe, die dieser Art zugeschrieben wurden, beruhen höchstwahrscheinlich auf Verwechselungen).

Als apex predators sind Schwarzhaie eine der am langsamsten wachsenden und am spätesten erwachsen werdenden Haiarten, sie werden erst mit ungefähr 20 Jahren erwachsen. Weibliche Schwarzhaie sind ovovivipar und bringen höchstens alle 3 Jahre Würfe von 6 bis 12 Jungen zur Welt. Dabei nutzen sie flache Uferbereiche als Kinderstuben, weil heranwachsende Schwarzhaie (im Gegensatz zu ihren Eltern) sehr wohl natürliche Feinde haben, nämlich andere große Haie. Vor KwaZulu-Natal (Südafrika) hat die Nutzung von Hai-Netzen zum Schutz der Strände die Bestände dieser großen Räuber reduziert, was zum dramatischen Anstieg der Zahlen von heranwachsenden Schwarzhaien führte (ein Phänomen, dass “predator release” genannt wird). Diese jungen Haie wiederum haben die Bestände an kleinen Fischen drastisch verringert und Monokulturen von kleinen Schwarzhaien verursacht.

Nichtsdestotrotz werden Schwarzhaie, wegen ihrer sehr geringen Vermehrungsrate (was sie zu einer der empfindlichsten Wirbeltiere macht) und großem Fischereidruck, weltweit als gefährdet und im nordwestlichen und westlichen Zentralatlantik als stark gefährdet angesehen. Sie werden für ihre wertvollen Flossen, ihr Fleisch, Leberöl und Haut gejagt und haben eine große Sterberate, wenn sie als Beifang versehentlich gefangen werden.

Quellen: hier und hier

Hai der Woche: Fleckzahnhai — 6. February 2017

Hai der Woche: Fleckzahnhai

Manche Haiarten scheinen Reisemuffel zu sein, wie der Fleckzahnhai (carcharhinus sorrah). Taggingstudien vor Nordaustralien haben gezeigt, dass 49% der Haie innerhalb von 50 km von ihrem Markierungsort wieder gefangen wurden. Aber sogar einige von ihnen scheint das Fernweh zu packen – wie der eine Hai, der 1 116 km entfernt gefangen wurde.

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Carcharhinus sorrah by Tassapon KRAJANGDARA – http://www.fishbase.us/photos/thumbnailssummary.php?ID=884#, CC BY 3.0, Link

Der Fleckzahnhai ist eine sehr verbreitete Art der Requiemhaie und wird bis zu 1,6 m lang. Er lebt in getrennten Populationen auf Festlands- und Inselsockeln im tropischen Indo-Pazifik von der Küste Ostafrikas, Madagaskar und dem Roten Meer bis zu Indien, Malaysia, China, Indonesien, den Philippinen und Nordaustralien. Weibliche Haie sind mit 2 bis 3 Jahren ausgewachsen und bringen einmal im Jahr einen Wurf von 1 bis 8 50 cm großen Jungen (ovovivipar) in Kinderstuben in flachen Küstengebieten zur Welt. Fleckzahnhaie leben bis zu 5 Jahre (Männchen) oder 7 Jahre (Weibchen).

Fleckzahnhaie werden für ihr Fleisch, Flossen, Leber-Öl und Fischmehl gezielt gefangen, sind aber auch “genutzter Beifang”, das bedeutet dass sie nicht die Zielart waren, aber trotzdem verwendet werden (catch-as-catch-can) anstatt wieder über Bord geworfen zu werden (was sie als Nicht-Tiefsee-Art überleben könnten). Sie sind unter den am meisten produktiven Haiarten wegen ihres schnellen Wachstums, ihrer frühen Reife und der relativ hohen Fruchtbarkeit.Ungeachtet dessen hält die   IUCN diesen Hai für potenziell gefährdet. Warum?
Ihre Kinderstuben werden extrem stark befischt (oft im illegalen Maschenweiten) und werden auch durch Zerstörung und Verschmutzung in Mitleidenschaft gezogen. Fleckzahnhaie leiden an Überfischung in vielen Teilen ihres Lebensraumes. Nur die relativ gut verwaltete nordaustralische Fischerei scheint eine Ausnahme zu sein. Aber es gibt zunehmend illegale, ungemeldete und unregulierte (illegal, unreported and unregulated = IUU) Fischfangaktivitäten in nordaustralischen Gewässern, meist von Indonesischen Fischern, von denen die Mehrheit auf Haifang geht.

Quellen: hier und hier

 

Hai der Woche: Australischer Schwarzspitzenhai — 23. January 2017

Hai der Woche: Australischer Schwarzspitzenhai

Es gibt eine Schwesternart zum weltweit verbreiteten Kleinen Schwarzspitzenhai, der ausschließlich vor der Nordhälfte von Australien lebt: der Australische Schwarzspitzenhai. Die zwei Requiemhai-Arten sehen gleich aus (aber mit unterschiedlichen Größen, Wirbelzahlen und mitochondrialer DNA), aber Genetik legt nahe, dass die anderen Schwesterarten, der Glattzahn-Schwarzspitzenhai (ausschließlich vor Arabien lebend) und der Grazile Hai (mit einem Lebensraum zwischen Arabien und Australien), enger verwandt zum Australischen Schwarzspitzenhai (Carcharhinus tilstoni) sind.

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By CSIRO National Fish Collection – http://www.fishesofaustralia.net.au/home/species/1957, CC BY 3.0, Link

Nichtsdestotrotz: mehrere Hybriden (einige von ihnen mit einem Hybrid-Elternteil, was bedeutet dass dieser fruchtbar sein muss) zwischen dem Australischen Schwarzspitzenhai und dem Kleinen Schwarzspitzenhai wurden überall entlang der Ostküste Australiens entdeckt. Dies ist der erste bestätigte Fall von Hybridisierung unter Knorpelfischen – und keine kleine Sache, auch wenn bei Fischen häufiger, weil Haie innere Befruchtung haben.

Die Zahlen deuten an, dass Hai-Hybriden häufiger auftreten könnten als bisher vermutet, vielleicht auch zwischen anderen Schwester-Haiarten, und bisher nur nicht gefunden wurden. Auch wenn Hybridisierung kein Schlüssel gegen das Aussterben von Haien ist, ist es doch ein faszinierender Teil der Evolution.

Quellen: hier und hier

Hai der Woche: Schlitzaugenhai — 2. January 2017

Hai der Woche: Schlitzaugenhai

Der Schlitzaugenhai (Loxodon macrorhinus) ist ein kleiner Requiemhai, der in flachen Küstengewässern des Indischen Ozeans und West-Pazifik von Südafrika über Japan bis nach Australien in einer Tiefe von 7 bis 80 Metern lebt.

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Loxodon macrorhinus von Tassapon Krajangdara – fishbase.us, CC BY 3.0, Link

Der Schlitzaugenhai ist ovovivipar (das heißt, die Jungen schlüpfen bereits im Mutterleib aus ihrem Dottersack und werden lebend geboren). Durchschnittlich 80 cm groß, bringt das Weibchen 2 bis 4 Jungen von 40 cm Länge zur Welt.

Schlitzaugenhaie werden für ihr Fleisch gefangen, besondern im südlichen Indien und in der Nord-Australischen Schleppnetzfischerei, wo er eine der am häufigsten gefangenen Haiarten ist.

Quellen: hier und hier

Hai der Woche: Bullenhai — 5. December 2016

Hai der Woche: Bullenhai

Es ist bekannt, dass Haie in Salzwasser leben. Sicher gibt es so etwas Seltsames wie Flusshaie (wie der Gangeshai), die nur Süßwasser zu vertragen scheinen (aber erwiesenermaßen auch durch Salzwasser wandern). Aber alle anderen Haie leben ausschließlich im Ozean oder in Brackwasser-Kinderstuben, um ihre Jungen zu schützen, oder? Leider ist das falsch.

Denn es gibt den Bullenhai (Carcharhinus leucas). Auch wenn ihre Kinderstuben in Brackwasser liegen, vertragen ältere Bullenhaie sowohl einen hohen Salzgehalt als auch gar keinen, was sie befähigt, weltweit an tropischen bis subtropischen Meeresküsten sowie in Flüssen und Seen zu leben.


(Video S3 eines schwangeren Bullenhaies von Brunnschweiler J, Baensch H (2011). “Seasonal and Long-Term Changes in Relative Abundance of Bull Sharks from a Tourist Shark Feeding Site in Fiji“. PLOS ONE. DOI:10.1371/journal.pone.0016597. PMID 21346792. PMC: 3029404., CC by 2.5 )

Bullenhaie sind in der Lage, durch ihre Nieren, Kiemen, Leber und eine spezielle Drüse nahe des Schwanzes Salz zurückzuhalten (was eine stark erhöhte Produktion von hochverdünntem Urin erfordert und energetisch sehr anspruchsvoll ist). Dadurch überleben und sogar florieren sie in Süßwasser so weit flußaufwärts wie 3 800 km den Mississippi hinauf oder 4 200 km den Amazonas. Es gibt sogar eine Population von Bullenhaien im Nikaraguasee in Mittelamerika die anscheinend separat ist, aber Tagging bewies dass sie zwischen dem See und dem Karibischen Meer hin und her wandern und dabei 8 Stromschnellen überwinden. Seit einem Hochwasser in den 1990ern ist sogar ein Golfplatz-See in Queensland in Australien die Heimat von Bullenhaien.

Der Bullenhai ist eine kräftige Art mit kleinen Augen und einer stumpfen Schnauze (daher der Name) und einer durchschnittlichen Länge von 2,4 m (weiblich) und 2,25 m (männlich), aber es gibt eine einzelne Aufzeichnung von einem schwangeren weiblichen Exemplar von 4 m Länge in einem Afrikanischen Fluss. Ihre Geschlechtsreife scheint vom Ort abzuhängen und dauert bis zu 14-15 Jahre für Männchen und 18 Jahre für Weibchen. Bullenhaie sind ovovivipar wie andere Requiemhaie.

Als opportunistische Esser fressen Bullenhaie alles, von Fischen und anderen Haien (sogar kleinen Bullenhaien) zu Schildkröten, Vögeln, Delfinen und Landsäugetieren wie Hunden oder Nilpferden, aber auch Kadavern und (im Falle von Indischen Flüssen) Leichen. Sie müssen das tun (wie ober erwähnt), um im Süßwasser mit seinem nicht vorhandenen Salzgehalt und dem signifikant höheren negativem Auftrieb zu überleben. Im Meer kann ihr Stoffwechsel runtergefahren werden.

Basierend auf ihrem Lebensraum kommen Bullenhaie oft in Kontakt mit Menschen. In den klaren Gewässern der Bahamas z.B. haben Taucher regelmäßig Umgang mit Ansammlungen von Bullenhaien, ohne Probleme. Einige Forscher vermuten, dass dieses nicht-bedrohliche Verhalten daher kommt, dass die Haie die Menschen klar sehen können und erkennen, dass sie nicht typische Beutetiere sind. In trüberen Gewässern jedoch passieren Zwischenfälle, und Menschen werden gebissen und sterben manchmal daran. Einige Bullenhaie sind territorial und und haben praktisch keine Toleranz für Provokationen, was die Dinge auch nicht leichter macht.

Wegen seines Lebensraumes, aber auch seiner Größe, Stärke und Zähne gilt der Bullenhai bei manchen Experten als der gefährlichste Hai der Welt.  Wenn es so etwas wie einen Menschenfresser-Hai gibt, so wäre das der Bullenhai und nicht der Weiße Hai. Letzterer könnte vielmehr für viele Angriffe, die seiner Art zu Last gelegt werden (darunter die berühmten Haiangriffe in New Jersey im Jahre 1916, die als Inspiration für Der Weiße Hai gedient haben mögen) nicht verantwortlich sein, sondern der Bullenhai mit seinem nahezu identischem Gebiss. Es ist erstaunlich, dass es nicht mehr Zwischenfälle gibt, was nur bestätigt, dass sie nicht wirklich an uns interessiert sind und ein Angriff normalerweise nur ein Fehler ist.

Der Bullenhai wird als Beifang in Longline-Fischereien gefangen, aber öfter von kleinen Fischern für sein Fleisch, Flossen und Haut aufs Korn genommen, weil er so reichlich in ufernahen Gebieten und Flüssen vorhanden ist. Zusätzlich ist er ein populäres Ziel von Hobbyanglern. Wegen der Verschmutzung ihres Lebensraumes in flachen Küstengewässern, Flüssen und Seen und der Überfischung ihrer Kinderstuben haben die Zahlen von Bullenhaien signifikant abgenommen.

Quellen: hierhier, hier und hier

Hai der Woche: Nachthai — 28. November 2016

Hai der Woche: Nachthai

Wustest Du, dass die Hai-Fischereien vor der Nordostküste Brasiliens fast ausschließlich Haie fangen, die gefährliche Mengen von Quecksilber enthalten? 90% der gefangenen Haie und Rochen sind Nachthaie (Carcharhinus signatus), eine Tiefseeart, die vertikal wandert von einer Tiefe bis zu 2 km tagsüber zu 26 m unter der Oberfläche in der Nacht (daher der Name). Er lebt über dem äußeren Festlandsockel und dem oberen Kontinentalrand auf beiden Seiten des Atlantiks.

Der Nachthai ist ein schlanker, schneller Hai und wird normalerweise 2 m lang. Er hat eine lange spitze Schnauze und große grüne Augen. Wie alle Requiemhaie ist er ovovivipar und bringt nach einer Tragzeit von einem Jahr 4–18 lebende Junge zur Welt, die 50 bis 72 cm groß sind. Jeder Embryo hat seinen eigenen abgetrennten Bereich in einer der zwei Gebärmütter und wird von einem Dottersack und später durch eine Plazentaverbindung ernährt. Männchen werden mit 8 und Weibchen mit 10 Jahren erwachsen.

Carcharhinus signatus nefsc2.jpg
Nachthai, NOAA/NEFSC – http://nefsc.noaa.gov/rcb/photogallery/sharks/sharks.html, Gemeinfrei,

Weil er für seine wertvollen Flossen und Fleisch, aber auch für Leberöl und Fischmehl aufs Korn genommen wird, wird der Nachthai kommerziell und als Beifang gefischt. Er ist noch die üppigste Elasmobranchii-Art in den Tiefseeberg-Fischereien vor Brasilien. Früher alltäglich in den Hai-Fischereien der Karibik, Kuba und der USA, sorgte der Fischerei-Druck auch dort für einen beträchtlichen Rückgang. Deshalb hat die IUCN den Nachhai global als gefährdet eingestuft, auch wenn das USA-Fangverbot dort zu wirken scheint.

Wenn man bedenkt, dass die gefangenen Nachthaie vor Brasilien hauptsächlich jugendlich sind (ich denke, dass die dortigen flachen Tiefseeberge Kinderstuben für Nachthaie sind), ist es umso alarmierender, dass die gefangenen Haie Quecksilberwerte enthalten, die höher sind als im Brasilianischen Gesetz (und WHO-Empfehlungen) erlaubt – welche Quecksilberwerte würden wohl erwachsene Haie haben, die ja mehr Jahre Zeit hatten um es anzureichern?

Quellen: hier und hier