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Hai der Woche: Schwarzspitzen-Riffhai — 16. October 2017

Hai der Woche: Schwarzspitzen-Riffhai

Der Schwarzspitzen-Riffhai (Carcharhinus melanopterus – abgeleitet von melas = schwarz und pteron = Flügel oder Flosse (siehe Pterosaurier)) ist ein weiterer Requiemhai, der in Korallenriffen lebt. Er bewohnt küstennahe Gewässer des tropischen und subtropischen Indo-Pazifik von Südafrika bis Hawaii (hat sogar das östliche Mittelmeer durch den menschengemachten Suez-Kanal besiedelt) und bevorzugt seichtere Gewässer als seine Kollegen Grauer Riffhai und Weißspitzen-Riffhai. Ihre Kinderstuben (die Weibchen sind vivipar und bringen lebende Junge zu Welt, nachdem sie diese mit Dotter und über eine Plazenta-Verbindung ernährt haben) können so flach sein, dass die Jungen mit ihrer Rückenflosse aus dem Wasser ragend schwimmen müssen und aussehen “wie eine Flotte von Mini-Segelbooten” (Zitat von hier).

An expanse of clear water and white sand, and several sharks swimming with their black-tipped dorsal fins protruding above the water
Carcharhinus melanopterus by Leon Brocard from London, UK – PIMG_2915, CC BY 2.0, Link

Nicht nur Junge bevorzugen es, aus Schutzgründen in Gruppen zu bleiben, auch erwachsene Schwarzspitzen-Riffhaie bilden stabile Gruppen für soziale Zwecke und zur Jagd. Ihre Beute sind Fische, Krustentiere, Weichtiere und Tintenfische, aber auch Land- und Seeschlangen und sogar Ratten und Vögel. Sie haben große Augen mit einer reflektierenden tapetum lucidum wie eine Katze, was andeutet, dass sie nachts exzellent jagen können.

Wegen ihres extrem kleinen Reviers und ihrer hohen Standort-Treue sind Schwarzspitzen-Riffhaie anfällig für die Zerstörung ihres Lebensraumes und Fischereidruck (nur als Beifang bei kommerziellen Fischereien, aber gezielt von Kleinfischern für ihr Fleisch, Leber-Öl und Flossen, und auch von Sportfischern und für den Aquarienhandel). Ihre kleinen Würfe (nur 2 bis 5 Junge) und lange Tragzeit (bis zu 16 Monate) sind auch keine Hilfe. Sie werden als “potentiell gefährdet” von der IUCN angesehen. Normalerweise sind sie scheu und trotz ihrer Größe (typischerweise bis zu 1,6 m) keine Gefahr für den Menschen, aber manchmal beißen sie die Beine oder Füße von Watern, die in ihren Bereich eindringen, oder von Speer-Fischern für ihren Fang.

Quellen: hier, hier und hier

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Hai der Woche: Silberspitzenhai — 2. October 2017

Hai der Woche: Silberspitzenhai

Der Silberspitzenhai (Carcharhinus albimarginatus), obwohl leicht erkennbar wegen seiner namensgebenden weißen Ränder an allen Flossen (auch an den Brustflossen, anders als alle anderen “Weißspitzen”-Haiarten), wird of mit seinem kleineren Bruder Grauer Riffhai verwechselt. Beides sind Requiemhaie und können über oder in der Nähe von Korallenriffen im tropischen Indischen oder Pazifischen Ozean gefunden werden. Sie sind bekannt dafür, gemischte Ansammlungen zu bilden, und legen beide (leicht verschiedene) rituelle Drohverhalten (treat display) an den Tag, um Bedrohungen (wie andere Haie oder Taucher) zu verjagen und ihre Privatzone zu schützen. Der Scheinangriff  eines bis zu 3 m großen Silberspitzenhai (wie hier beschrieben) erinnert mich an männliche Gorillas. Während es aggressiv erscheint, betrachte ich es doch als defensives Verhalten. Es ist bemerkenswert, dass sie lieber fliehen oder wegscheuchen anstatt anzugreifen, wobei sie wegen ihrer Größe meistens siegen würden.

0979 aquaimages.jpg
Silvertip shark, Image taken by Clark Anderson/Aquaimages – Originaly uploaded to the english wikipedia, Image:0979 aquaimages.jpg, CC BY-SA 2.5, Link

Wie alle anderen Requiemhaie sind Silberspitzenhaie vivipar. Weibchen bringen alle zwei Jahre Würfe von ungefähr 5 Jungen nach einer Tragzeit von ca. einem Jahr zur Welt. Sie wachsen langsam und sind mit ca. 2 m Länge nach 20 Jahren erwachsen.

Silberspitzenhaie werden in direkten Hai-Fischereien, als Beifang und durch illegale Praktiken (IUU) gefangen, meistens für ihre Flossen und ihr Fleisch, aber auch für Knorpel, Leber, Zähne, Kiefer und Haut. Das führt dazu, dass sie in Gebieten wie Scott Reef vor Nordaustralien durch Indonesische Fischer ausgerottet sind. Deshalb betrachtet die IUCN sie als “gefährdet“. Es gibt jedoch keine artspezifischen Schutzmaßnahmen.

Trotz ihres neugierigen und aggressiven Verhaltens (siehe oben) und obwohl sie in der Lage sind (wegen ihrer Zähne, Größe und Stärke), sich mit großer Beute anzulegen, sind Silberspitzenhaie nicht bekannt dafür Menschen anzugreifen. Die ISAF hat nur 4 provozierte, nicht-tödliche Angriffe unter dieser Art verzeichnet.

Quellen: hier und hier

Hai der Woche: Großnasenhai — 18. September 2017

Hai der Woche: Großnasenhai

Es gibt Haie wie der Glattzahn-Schwarzspitzenhai von letzter Woche, die sehr selten sind. Es ist verständlich, dass über diese Arten nicht viele Daten verfügbar sind, und die IUCN entscheiden muss, ob sie deshalb als  gefährdet oder “nur” als mit ungenügender Datengrundlage angesehen werden.

Ein Taxon hat eine ungenügende Datengrundlage, wenn es ungenügende Informationen gibt, um eine direkte oder indirekte Einschätzung ihres Aussterberisikos aufgrund ihrer Verteilung oder ihres Bestands zu treffen. Ein Taxon in dieser Kategorie kann durchaus gut studiert sein oder eine wohlbekannte Biologie haben, aber es fehlt an geeigneten Daten über ihre Häufigkeit und/oder ihre Verteilung. Mit ungenügender Datengrundlage ist also keine Gefährdungskategorie. Die Einstufung von Taxa in dieser Kategorie zeigt an, dass mehr Informationen erforderlich sind, und räumt die Möglichkeit ein, dass zukünftige Forschung zeigen wird dass eine Gefährdungskategorie angemessen ist. Es ist wichtig, positiven Nutzen aus den wenigen vorhandenen Daten zu ziehen. In vielen Fällen sollte sehr sorgfältig zwischen einem DD und gefährdeten Status abgewogen werden. (Quelle)

Dann gibt es diese Art von Requiemhaien namens Großnasenhai (Carcharhinus altimus), die wohlbekannt und weltweit über dem äußeren Rand des Kontinentalsockels in tropischen und warmen Gewässern verbreitet ist, die auch als mit ungenügender Datengrundlage angesehen wird. Wie ist das möglich? Die IUCN vermutet, dass “das gesamte Fangvolumen, das zu ICCAT gemeldet wird, nicht der wirklichen totalen Entnahme dieses Haies entspricht, und dass die Daten auch sehr begrenzt sind in Bezug auf die Verteilung des Fanges nach Größe, Alter und Geschlecht der Haie.”

Der Großnasenhai ist, wie alle Requiemhaie, vivipar. Während der 10-monatigen Tragzeit werden die 3 bis 15 Embryos zuerst von Dotter und später von einer Plazenta-Verbindung ernährt. Sie können von zwei oder mehr Vätern stammen. Mit einer Länge von 70 bis 90 cm geboren, bleiben die jungen Haie erst mal in ihren Kinderstuben in Tiefen von ungefähr 25 m, aber im Allgemeinen bevorzugt der Großnasenhai tiefere Gewässer.

Bignose shark.jpg
Carcharhinus altimus by NOAA – http://www.oceanexplorer.noaa.gov/explorations/05coralbanks/logs/oct17/media/bignoseshark_600.html, Public Domain, Link

Großnasenhaie wandern sehr stark: saisonal (Distanzen zwischen 1 600 und 3 200 km), aber auch täglich in vertikaler Richtung. Am Tag dicht über dem Meeresgrund in 90 bis 430 m Tiefe schwimmend, bewegen sie sich nachts aufwärts oder näher zur Küste heran.

Männchen werden mit einer Länge von 2,2 m und Weibchen mit 2,3 m erwachsen. Diese Art kann möglicherweise bis zu 3 m lang werden. Trotz ihrer Größe sind Großnasenhaie keine Gefahr für den Menschen. Sie werden weltweit als Beifang der Stellnetz-, Grundschleppnetz- und Tiefsee-Longlinen-Fischerei gefangen und für ihr Fleisch und ihre Flossen oder zur Herstellung von Leber-Öl, Chagrin (Haifischleder) und Fischmehl genutzt. Durch den hohen Fischereidruck, zum Beispiel im nordwestlichen Atlantik (wo sie regional als potenziell gefährdet gelten) in internationalen Gewässern und um die Malediven herum, ist ihre Lage besorgniserregend, und Datensammlung und ein vorbeugendes und adaptives gemeinschaftliches Management sollte Priorität haben. Großnasenhaie werden regional in Australischen Gewässern als nicht gefährdet eingeschätzt, und sind in USA-Gewässern geschützt.

Quellen: hier und hier

Hai der Woche: Glattzahn-Schwarzspitzenhai — 11. September 2017

Hai der Woche: Glattzahn-Schwarzspitzenhai

Was haben der Glattzahn-Schwarzspitzenhai (Carcharhinus leiodon) und der Australische Schwarzspitzenhai gemeinsam? Nun, offensichtlich sind beides Haie mit schwarzen Flossenspitzen. Diese beiden Arten aus der Familie der Requiemhaie sehen sich auch sonst ähnlich und haben einen eng begrenzten Lebensraum: der erstere ist nur vor der Arabische Halbinsel, der zweite vor der Küste Nordaustraliens zu finden. Und sie sind eng miteinander verwandt, wie genetische Tests zeigen. Wie kann das sein?
Der Schlüssel könnten weitere enge Verwandte sein, die die Lebensräume beider Arten miteinander verbinden: der im gesamten Indo-Pazifik lebende Grazile Hai und der tropische Gewässer weltweit bewohnende Kleine Schwarzspitzenhai.

C. leiodon
By Moore et. al. 2012 – Moore et. al. 2012 New biological data on the rare, threatened shark Carcharhinus leiodon (Carcharhinidae) from the Persian Gulf and Arabian Sea, CC BY-SA 2.5, Link

Der Glattzahn-Schwarzspitzenhai ist extrem selten. Erst gab es nur ein Exemplar, das 1902 vor Yemen gefunden wurde, doch 2008 wurden noch einige auf Fischmärkten in Kuwait entdeckt. Seitdem weiß man, dass sie mindestens 1,2 m lang werden. Ihre namensgebenden Zähne haben schmale, glatte Spitzen, wie sie nur noch Feinzahnhaie und junge Spinnerhaie haben.
Die IUCN hatte den Glattzahn-Schwarzspitzenhai vor 2008 als gefährdet eingestuft. Das könnte sich mit den zusätzlichen Funden ändern. Oder auch nicht, denn sein eng begrenzter Lebensraum ist stark von Fischereidruck und Zerstörung betroffen

Quellen: hier und hier

Hai der Woche: Speerzahnhai — 4. September 2017

Hai der Woche: Speerzahnhai

Der Speerzahnhai (Glyphis glyphis), auch als Bizant-Flusshai oder Queensland-Flusshai bekannt, ist ein Mitglied der Familie Requiemhaie. Wie der Gangeshai, lebt dieser Flusshai nicht nur in Flüssen sondern auch im Meer. Es scheint, dass Flüsse im nördlichen Australien und Neu-Guinea seine Kinderstuben sind, weil dort neugeborene und jugendliche Haie gefunden wurden. Sie bleiben mehrere Jahre dort (ändern ihren Standort nur je nach Gezeiten und Salzgehalt), aber vor 2015 wurden keine erwachsenen Exemplare gefunden. Nun weiß man, dass diese Art sich auch in Flüssen paart, aber auch in küstennahen Meeresgewässern lebt.

Speartooth shark melbourne.jpg
Speartooth shark by Bill Harrison from Wellington, New Zealand – Shark attack, CC BY 2.0, Link

Speerzahnhaie sind nach der Form ihrer Zähne im Unterkiefer benannt: sie scheinen mit einem Speer gekrönt zu sein. Weibchen sind vivipar (der Dottersack entwickelt sich zu einer Plazenta-Verbindung) und bringen alle 2 Jahre bis zu 6 lebende Junge zur Welt. Die Neugeborenen sind 50 bis 59 cm lang und wachsen ungefähr 19 cm im Jahr. Erwachsene Haie werden bis zu 2,6 m lang.

Trotz ihrer Größe sind Speerzahnhaie keine Gefahr für den Menschen. Sie sind extrem selten, werden aber unabsichtlich (als Beifang) von kommerziellen, handwerklichen und Freizeit-Fischern gefangen und leiden zusätzlich unter der Zerstörung ihrer Lebensraums. Folglich werden sie von der IUCN als Stark gefährdet angesehen. Sogar als Vom Aussterben bedroht im 1999 Commonwealth Environment Protection and Biodiversity Conservation Gesetz (aber weil Commonwealth-Schutz erst ab einem Abstand von 3 Nautischen Meilen vom Ufer entfernt gilt, was höchstwahrscheinlich außerhalb des Bereiches dieses Haies ist, nützt das nichts). Leider gibt es keinerlei Beschränkungen für den Fang dieser Art in Neu-Guinea, und in Australien muss ein Management-Plan erst noch beschlossen werden. In zwei Australischen Nationalparks sind sie etwas vor der Veränderung ihres Lebensraumes geschützt, aber nicht vor dem Gefangenwerden.

Quellen: hier, hier und hier

Hai der Woche: Grauer Riffhai — 28. August 2017

Hai der Woche: Grauer Riffhai

Der Graue Riffhai (Carcharhinus amblyrhynchos) ist eine häufige Art der Requiemhaie, die im Indo-Pazifik und im Roten Meer heimisch ist. Er ist ein Stubenhocker (aber nicht territorial gegenüber anderen Grauen Riffhaien) und bleibt meistens im flachen Gewässer in der Nähe des Abhangs seines Korallenriffs. Er hat die typische “Riffhai”-Körperform mit einer breiten, runden Schnauze und großen Augen. Sein Körper ist grau von oben und weiss von unten mit dunklen bis schwarzen Flossenspitzen, wird aber mit der Zeit immer dunkler, weil er im flachen Wasser von der Sonne gebräunt wird. Er ist sozial und bildet Gruppen mit anderen Grauen Riffhaien.

Photo of long-finned shark, swimming
Grey reef shark by CRED/PIFSC, NOAA – http://noaacred.blogspot.com/2009/03/one-fish-two-fish-fish-team-at-wake.html, Public Domain, Link

Weibliche Graue Riffhaie sind vivipar (die Embryos ernähren sich zuerst von Dotter und später durch eine Plazenta-Verbindung) und bringen alle 2 Jahre ein bis sechs lebende Junge zur Welt. Diese sind 45 bis 60 cm lang und werden mit ca. 7 Jahren (11 Jahren am Great Barrier Korallenriff) erwachsen, wenn sie zwischen 1,30 und 1,50 m (Männchen) oder 1,20 und 1,40 m lang sind (Weibchen). Sie leben bis zu 25 Jahre lang.
Normalerweise eine Länge von 1,90 m erreichend (obwohl 2,60 m lange Exemplare gefunden wurden), ist der Graue Riffhai nicht der größte Hai im Riff. Aber er ist berühmt für sein Drohverhalten (thread display), was dafür gedacht ist, sogar grössere Feinde und Konkurrenten vom Näherkommen abzuhalten, um unnötige Kämpfe und dadurch mögliche Verletzungen zu vermeiden.

 

Drawings showing threatening and nonthreatening postures from front and side underlain with a line that is jagged and red on the left and gently curving and blue on the right
By Chris Huh (English Wikipedia user) – English Wikipedia, CC BY-SA 3.0, Link

Es funktioniert z.B. bei Hammerhaien und Muränen und sollte auch bei Tauchern wirken. Aber da eine solche Form von Kommunikation zwischen verschiedenen Arten für uns Menschen kompliziert ist (wir wissen, was ein Hund meint, wenn er knurrt und die Zähne fletscht, aber wir sprechen kein Haiisch), und der Graue Riffhai, wenn nötig, seinen Worten auch Taten folgen lässt, gibt es mehrere Berichte von Haiangriffen durch Graue Riffhaie (zum Glück nicht tödliche, da sie in der Lage sind, erhebliche Schäden zu verursachen, z.B. an Submersibles). Die IUCN betrachtet den Grauen Riffhai als potenziell gefährdet wegen seiner geringen Fortpflanzungsrate, seiner Standorttreue und der Zerstörung seines Lebensraumes, aber auch wegen des großen Fischereidruckes (für sein Fleisch und die Flossen). Am Great Barrier Korallenriff ging der Bestand um 97 Prozent zurück, in Fischerei- und Nicht-Fischereigebieten gleichermaßen, im Vergleich zu komplett geschützten (no-entry) Zonen, was darauf hinweist, dass Wilderei ein großes Problem ist.

Quellen: hier, hier und hier

Hai der Woche: Dolchnasenhai — 14. August 2017

Hai der Woche: Dolchnasenhai

Die Gattung Isogomphodon der Requiemhaie besteht aus nur einer lebenden Art, aber es scheint so, als ob der Dolchnasenhai (Isogomphodon oxyrhynchus), bekannt seit 1839, bald das Schicksal seiner ausgestorbenen Schwesternart Isogomphodon acuarius teilen wird.

Systematische Beschreibung der Plagiostomen (Plate 15) BHL6353140.jpg
Von Henle, Jacob; Müller, Johannes – http://www.biodiversitylibrary.org/pageimage/6353140, Gemeinfrei, Link

Weibliche Dolchnasenhaie sind vivipar (Plazentaverbindung, nachdem der Dottersack des Embryos aufgebraucht ist) und bringen alle 2 Jahre 2 bis 8 lebende Junge in Kinderstuben zur Welt. Neugeborenen Haie sind 38 bis 43 cm lang. Männchen werden mit 5–6 Jahren und Weibchen mit 6–7 Jahren erwachsen und erreichen bis zu 12 Jahre und 1,4 m (Männchen) bzw. 20 Jahre und 1,6 m (Weibchen).

Der Dolchnasenhai lebt ausschließlich in Küstengewässern (nicht Flüssen, weil er Süßwasser nicht verträgt) des Westatlantik vor der Küste von Trinidad, Guyana, Suriname, Französisch-Guyana und dem nördlichen Brasilien. Er ist hoch-spezialisiert (winzige Augen, aber eine vergrößerte Schnauze um richtig die Elektro-Rezeption zu nutzen, viele schmale spitze Zähne -die meisten Zähne aller Requiemhaie- um eine Reuse zu bilden), um kleine Schwarmfische in trübem Wasser zu fangen. Weil die Menschen die gleichen Fische aufs Korn nehmen, zieht der Hai den Kürzeren – als Beifang in Treibnetzen (aber auch durch gezielte Haifisch-Fischerei) gefangen, wird er als Ergebnis durch die IUCN seit 2006 als akut vom Aussterben bedroht eingestuft. Zwischen 1992 und 2002 hat er einen sehr großen Bestandsrückgang erfahren (was sich in mehr als 90% weniger Fängen zeigt), und mehr noch, hauptsächlich heranwachsende Haie wurden in den Netzen gefunden. Und es kann seitdem noch schlimmer geworden sein. Es gibt einfach keine neuen Daten zu Dolchnasenhaien, nicht mangels Mühe sondern Exemplaren, was bedeutet, dass (obwohl sie seit 2006 in Brasilien gesetzlich geschützt sind, was aber nicht viel nützt wenn es nicht durchgesetzt wird) ihre Fortpflanzung zusammenbricht und sie auf der Schwelle zum Aussterben sind.

Quellen: hier, hier und hier

Hai der Woche: Weißnasenhai — 7. August 2017

Hai der Woche: Weißnasenhai

Wir wissen, dass eine Mutation oftmals ein Grund ist, nicht mehr normal zu funktionieren und zu sterben, aber manchmal kann es auch der Weg zur Entwicklung einer neuen, erfolgreichen Art sein. Um die Evolution bei der Arbeit zu sehen müssen wir uns nur den Weißnasenhai (Nasolamia velox) ansehen.

Schau, der Weißnasenhai unterscheidet sich von den anderen Requiemhaien in Bezug auf Schädel- und Nasenmerkmale so sehr, dass er seine eigene Gattung hat, aber alle anderen Eigenschaften sind so sehr wie die des Schwarznasenhaies, dass die Wissenschaftler anfingen zu spekulieren.

Da gibt es diese Mißbildung namens Zyklopie (benannt nach dem griechischen Mythos des Zyklopen, ein Riese mit einem Auge auf des Stirn), die durch genetische Mutationen (oder Giftstoffe während der Schwangerschaft) in Säugetieren und Menschen ausgelöst wird (Schaut Euch keine Bilder dazu an. Wirklich nicht. Schau stattdessen hier.). Nun, beginnende Zyklopie könnte alle Unterschiede erklären – also scheint es, als ob der Weißnasenhai sich aus dem Schwarznasenhai entwickelt hat, oder eher, Vorfahren des Weißnasenhaies mutierten aus Vorfahren des Schwarznasenhaies vor langer Zeit. Das muss passiert sein, bevor der Isthmus von Panama den Pazifik und Atlantik getrennt hat, weil nun der Schwarznasenhai nur den tropischen Westatlantik und der Weißnasenhai nur den tropischen Ostpazifik bewohnt (also ist es sogar auch ein Beispiel für Plattentektonik).

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Nasolamia velox by Mexfish.com – Mexfish.com, CC-BY-SA 4.0, Link

Wie andere Requiemhaie werden Weißnasenhaie durch kommerzielle und handwerkliche Fischereien für Fleisch und Flossen gefangen.

Quellen: hier, hier und hier

Hai der Woche: Schwarznasenhai — 31. July 2017

Hai der Woche: Schwarznasenhai

Der Schwarznasenhai (Carcharhinus acronotus) ist ein kleiner (bis zu 1,3 m langer) Requiemhai. Sein Name bezieht sich auf einen schwarzen Fleck auf der Nase von heranwachsenden Haien.

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Carcharhinus acronotus by NOAA – http://www.noaanews.noaa.gov/stories2009/20090724_sharks.html, Public Domain, Link

Schwarznasenhaie leben in tropischen oder warmen Küstengewässern des westlichen Atlantik vom Süden der USA, durch den Golf von Mexico und die Karibik den ganzen Weg bis zum südlichen Brasilien. Es gibt eine Trennung per Alter und Geschlecht: Heranwachsende werden typischerweise in flacherem Wasser gefunden, während Erwachsene in größeren Tiefen zu Hause sind. Sie sind bekannt dafür, große Schulen zu bilden.

Schwarznasenhaie erreichen ein maximales Alter von 10-16 Jahren für Weibchen und 4,5-9 Jahren für Männchen. Beide werden mit 2 Jahren erwachsen und wachsen relativ schnell. Die Vermehrung ist vivipar mit einer Dottersack-Plazenta. Nach einer Tragzeit von 8-11 Monaten werden 3-6 38 bis 50 cm große Junge jährlich (Golf von Mexico) oder alle 2 Jahre (Nordwestlicher Atlantik) in flachen Kinderstuben wie Buchten oder Mangroven-Sümpfen, z.B. Bulls Bay, South Carolina (U.S.), geboren.

Schwarznasenhaie werden kommerziell gefischt (als Ziel und als Beifang), aber auch beim Sportangeln als game-fish – weil sie für ordentliche Kämpfer gehalten werden. Diese Art wird von der IUCN global als potentiell gefährdet angesehen und profitiert (gemeinsam mit anderen kleinen Küstenhaien) in der USA von Schutzmaßnahmen. Obwohl von hohem Fischereidruck betroffen, scheint der Schwarznasenhai in Brasilien nicht in Gefahr zu sein (weil genug erwachsene Haie zu finden sind), aber es gibt noch nicht hinreichend viele Daten. In der Karibik genauso.

Quellen: hier, hier und hier

Hai der Woche: Borneohai — 24. July 2017

Hai der Woche: Borneohai

Eine Haiart, die von der IUCN als gefährdet angesehen wurde, war möglicherweise fast ausgestorben, weil sie seit 1937 nicht mehr registriert wurde und nur 5 bestätigte Exemplare bekannt waren. Aber im Jahr 2004 wurden mehrere Exemplare des Borneohais (Carcharhinus borneensis) von Wissenschaftlern auf Fischmärkten wiedergefunden (genauso wie der Indonesische Teppichhai), was bisher nie dagewesene Bilder ermöglichte, wie Farbbilder (von frischen Exemplaren anstelle von konservierten) oder Bilder ihrer vergrößerten Dentikel.

Denticles c borneensis.png
Denticles borneo shark – By William Toby White i Pieter Last – White, W.T.; Last, P.R.; Lim, A.P.K.. Rediscovery of the rare and endangered Borneo Shark Carcharhinus borneensis (Bleeker, 1858) (Carcharhiniformes: Carcharhinidae), 2010. CSIRO Marine and Atmospheric Research, CC BY 3.0, Link

Der Borneohai hat einen schlanken Körper mit einer langen, spitzen Schnauze, eher großen runden Augen mit einer Nickhaut (einem dritten, transparenten Augenlid) und schrägen, schlitzartigen Nasenlöchern. Einmalig ist die Reihe von vergrößerten Poren über ihren Mundwinkeln. Wie viele Requiemhaie ist er vivipar mit bis zu 6 Embryonen, die durch die Mutter per Plazenta-Verbindung aus dem entleerten Dottersack versorgt und lebend mit einer Länge von 24 bis 28 cm geboren werden. Mit rund 55 bis 58 cm (Männchen) und 61 bis 65 cm (Weibchen) erwachsen werdend, ist der Borneohai ein eher kleiner Hai (das größte bekannte Exemplar misst 65 cm Länge).

Früher lebte der Borneohai in flachen Küstengewässern des Indo-Westpazifik vor Borneo, China und eventuell Java. Heute lebt er möglicherweise ausschließlich in der Mündung des Flusses Mukah in Malaysia, wo er wegen des hohen Fischerei-Druckes in großer Gefahr schwebt.

Quellen: hier, hier und hier