Nachdem ich letzte Woche den Reisemuffel Atlantischen Ammenhai vorgestellt hatte, ist der Hai dieser Woche das Gegenteil: der Schwarzhai (Carcharhinus obscurus). Er kann weltweit in warmen Gewässern entlang der Küste (und auch im offenen Meer, Schiffen folgend) von Amerika, Australien und Afrika (und Teilen von Europa und Asien) gefunden werden. Er ist nomadisch und stark wandernd (auch wenn genetische Tests nahe legen, dass die Schwarzhaie vor Indonesien und Australien eigene Bestände bilden) und legt saisonbedingt (zwischen den Polen im Sommer und dem Äquator im Winter) bis zu 3 800 km zurück.

Obwohl er einer der größten Mitglieder der Requienhaie ist (er erreicht durchschnittlich 3,2 m und maximal 4,2 m Länge) und einen (für alle getesteten Haie größten) punktuellen Beißdruck an der Zahnspitze von 60 kg hat (wie menschliche Bisse auch, nebenbei bemerkt), ist der Schwarzhai keine Gefahr für den Menschen (die sehr wenigen unprovozierten Angriffe, die dieser Art zugeschrieben wurden, beruhen höchstwahrscheinlich auf Verwechselungen).

Als apex predators sind Schwarzhaie eine der am langsamsten wachsenden und am spätesten erwachsen werdenden Haiarten, sie werden erst mit ungefähr 20 Jahren erwachsen. Weibliche Schwarzhaie sind ovovivipar und bringen höchstens alle 3 Jahre Würfe von 6 bis 12 Jungen zur Welt. Dabei nutzen sie flache Uferbereiche als Kinderstuben, weil heranwachsende Schwarzhaie (im Gegensatz zu ihren Eltern) sehr wohl natürliche Feinde haben, nämlich andere große Haie. Vor KwaZulu-Natal (Südafrika) hat die Nutzung von Hai-Netzen zum Schutz der Strände die Bestände dieser großen Räuber reduziert, was zum dramatischen Anstieg der Zahlen von heranwachsenden Schwarzhaien führte (ein Phänomen, dass “predator release” genannt wird). Diese jungen Haie wiederum haben die Bestände an kleinen Fischen drastisch verringert und Monokulturen von kleinen Schwarzhaien verursacht.

Nichtsdestotrotz werden Schwarzhaie, wegen ihrer sehr geringen Vermehrungsrate (was sie zu einer der empfindlichsten Wirbeltiere macht) und großem Fischereidruck, weltweit als gefährdet und im nordwestlichen und westlichen Zentralatlantik als stark gefährdet angesehen. Sie werden für ihre wertvollen Flossen, ihr Fleisch, Leberöl und Haut gejagt und haben eine große Sterberate, wenn sie als Beifang versehentlich gefangen werden.

Quellen: hier und hier

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