Wusstest Du, dass es auch Haie in der Ostsee gibt? Keine der Arten, die sich nur in Süßwasser wohlfühlen (wie z.B. die Flusshaie oder Süßwasserstechrochen), und auch glücklicherweise nicht der Bullenhai, sondern Zuwanderer aus der Nordsee oder dem Atlantik. Viele werden wohl durch Einströmungen von Salzwasser infolge von Stürmen mitgespült oder wandern temporär in das danach salzigere Wasser ein. Aber eine Art hat sich häuslich eingerichtet und bewohnt sogar Gebiete, die weit von den Übergängen zum Salzwasser entfernt sind. Der Kleingefleckte Katzenhai (Scyliorhinus canicula) ist die häufigste europäische Haiart und lebt im Mittelmeer, im nordöstlichen Atlantik und in der Nordsee, seit einiger Zeit inklusive Skagerrak und Kattegat. Aber nun ist er sogar, wie diese Reportage zeigte, in der deutschen Ostsee (genauer vor der Insel Poel) heimisch geworden.

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Scyliorhinus canicula, Von Liné1Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Der bis zu 1 m große Kleingefleckte Katzenhai wird auch kommerziell genutzt: für sein Fleisch (die Leber ist giftig), seine Sandpapier-artige Haut, Öl oder auch Fischmehl. In der Ostsee wurden Katzenhaie (benannt nach ihren katzenartigen Augen: horizontal ovale Augen mit länglichen Pupillen und einer Nickhaut) auch ab und zu gefangen. Hinterher wurden sie entweder wieder freigelassen (mit einer hohen Überlebensrate) oder, wie hier geschildert, an Aquarien abgegeben (wo Kleingefleckte Katzenhaie leicht gehalten werden können und deshalb eine häufige Art sind). Dort kann man sie in einigen Fällen sogar anfassen. Ich habe mit meiner Familie auch schon so ein Aquarium in Dänemark besucht und neugierig Haie, Rochen und Seesterne unter Wasser berührt – bevor ich in diesem Sommer in Schottland erfuhr, dass man das nicht tun soll weil man damit die schützende Schleimschicht über ihrer Haut verletzt. Warum das die anderen Aquarienbetreiber nicht wussten?

Wie alle Katzenhaie legt auch der Kleingefleckte Katzenhai Eier, Nixenhandtasche (mermaid’s purse) oder Meermaus genannt, mit geringelten Fäden an jedem Ende, die sich an Unterwasser-Strukturen festkrallen. In diesen entwickelt sich je ein Embryo (selten auch zwei) über 5 bis 11 Monate hinweg, was gut studiert werden kann (und in Laboratorien auch wird). Nach dem Schlupf müssen die 10 cm großen Jungtiere für sich selbst sorgen. An ihnen wurde erstmals beobachtet, dass sie mit ihren Haut-Zähnen (Denticles) am Schwanz Beutetiere festhalten und dann Stücke abbeißen – sie sind sehr gelenkig.

Diese Eikapseln und frisch geschlüpfte Jungtiere waren nun auch in der Osteee gefunden worden – ein Zeichen, dass es nicht mehr nur zeitweise Besucher sind. Es wird vermutet, dass es am Klimawandel liegt. Wie sie wohl mit dem geringen Salzgehalt zurechtkommen?

Quellen: hier, hier und hier

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