Wusstest Du, dass in Indien das Essen von Haifleisch einst nützlich für stillende Mütter angesehen wurde? Es galt als förderlich für die Milchproduktion – das ist der Grund für den Namen des Milchhaies (Rhizoprionodon acutus). Ich hoffe, dieser Glaube hat sich seitdem geändert – wie jeder andere Raubfisch enthält der Milchhai (auch wenn es kein top predator ist) viel Methyl-Quecksilber, was hochgradig gefährlich für Babys ist. Weil Methyl-Quecksilber eine essenzielle Fettsäure nachahmt, wird es frei durch den Körper transportiert und erreicht folglich auch den Fötus und die Milchdrüsen.

Milk shark, image by Randall, John E.
Milk shark, image by Randall, John E., licensed under a Creative Commons Attribution-Noncommercial 3.0 Unported License.

Der Milchhai oder Weißaugen-Hai (schau dir diese Augen an) ist eine eher kleine (1,10 m lang), weit verbreitete Art der Requiemhaie und kann in tropischen Küstengewässern des Ostatlantik und der Indo-Pazifik- Regionen gefunden werden. Er mag sandige Strände, Flussmündungen und Flüsse.

Der Milchhai ist vivipar. Jedes Jahr bringt das Weibchen bis zu 8 lebende Junge zur Welt (nachdem die 2 Uterusse in abgeteilte Bereiche für jeden Embryo eingeteilt wurden). Der Embryo verlässt sich zuerst auf seinen Dottersack, später nimmt er Histotroph (eine Nährlösung, die von der Mutter freigesetzt wird) zu sich. Zuletzt wird der geleerte Dottersack in eine Plazenta-Verbindung umgebildet, durch die der Fötus bis zur Geburt ernährt wird.

Der Milchhai wird nach 2 bis 3 Jahren erwachsen und wird wahrscheinlich mindestens 8 Jahre alt. Anders als andere Requiemhaie zeigt er ein extremes Geschlechts-Ungleichgewicht: Weibchen sind in einem Wurf mit mehr als 2:1 in der Überzahl (manchmal sind alle Junge weiblich). Der Grund ist unbekannt.

Der Milchhai wird stark befischt für sein Fleisch, Flossen und Fischmehl. In Nordaustralien ist er die häufigste Haiart in Schleppnetzen für Fische oder Garnelen, und er  macht 2% des Fanges in Treibnetzen und 6% an Longlinen aus. Aber seine Fortpflanzungseigenschaften scheinen dabei zu helfen, diesem hohen Ausbeutungsgrad zu widerstehen, zumindest bis jetzt.

Quellen: hier und hier

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