Haie nutzen ihre hochentwickelten Sinne, um ihre Beute aufzuspüren. Das ist besonders wichtig in der offenen See. Wusstest Du, dass es einen Hochseehai gibt, der seine Beute nach den Geräuschen von anderen Räubern findet? Anders als der Weißspitzen-Hochseehai (der den Geruch über der Wasseroberfläche benutzt), ist der Seidenhai in der Lage, fressende Delfine, Tunfische oder Seevögel in den Weiten der offenen See anhand ihrer Geräusche zu finden, um möglichst schnell mitzumachen. Leider sind die oben erwähnten unregelmäßig pulsierenden Geräusche ähnlich wie die Rotorfrequenzen von U.S. Küstenwache-Hubschraubern, wie sie unter Wasser weitergeleitet werden. Das bedeutet, dass Hubschrauber Seidenhaie anziehen.

Carcharhinus falciformis off Cuba.jpg
Von Alex Chernikh – Фото Алекса Черных, Гардинес де ла Рейна, Куба, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2138939

Der Seidenhai (Carcharhinus falciformis)  ist eine Art der Requiemhaie und nach seiner glatten Haut benannt, die dicht mit winzigen, wie Diamanten geformten Dentikeln besetzt ist. Er erreicht bis zu 3 m Länge mit einem Durchschnitt von 2,50 m. Die Weibchen sind vivipar: jedes der 2 bis 14 Embryonen hat seinen eigenen abgetrennten Bereich in den 2 Uteri der Mutter, und wenn er seinen Vorrat an Dotter verbraucht hat, bildet sich aus dem entleerten Dottersack eine Verbindung mit der Plazenta, wodurch die Mutter ihn mit Nahrung versorgt. Die neu geborenen Jungen sind relativ klein (bis zu 75 cm lang), wachsen aber schnell (115 cm mit 1 Jahr) in geschützten Riff-Kinderstuben und bleiben zusammen, bevor sie in die offene See wandern.

Wie jeder ozeanische Räuber ist der Seidenhai ein opportunistischer Fresser. Seine Lieblingsbeute ist Tunfisch, weswegen er die am häufigsten gefangene Haiart als Beifang beim Tunfischfang um treibende FADs (Fischmagnete) ist. Aber er wird auch gezielt durch kommerzielle und Klein-Tiefseefischereien überall auf der Welt gefangen – er ist unter den am häufigsten vertretenen Arten auf asiatischen Haifischflossen-Märkten und bei weitem die häufigste Quelle für Haikiefer-Trophäen.

Der Seidenhai ist weltweit reichlich vorhanden in tropischen und warmen Gewässern an der Küste und in der offenen See – wenigsten war er das. Mehr und mehr Beweise zeigen, dass ihre Zahl weltweit erheblich abgenommen hat (trotz under-reporting, dem Fehlen von artspezifischen Zahlen und problematischer Identifizierung in den Fischerei-Daten). Allein im Jahr 1989 wurden 900 000 Stück als Beifang in der Longline-Tunfisch-Fischerei des  Süd- und Zentral-Pazifik gefangen. Zusammen mit seinem Generationsabstand von 11 Jahren führte das dazu, dass er seit 2007 weltweit als potenziell gefährdet eingestuft wird, und gefährdet im südöstlichen und zentralöstlichen Pazifik und nordwestlichen und zentralwestlichen Atlantik. Weil es eine weit wandernde Fischart ist, sind die Staaten durch die Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen angehalten, beim Management dieser Arten zusammenzuarbeiten. Ich hoffe, das passiert bald.

Quellen: hierhier und hier

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