Wusstest Du, dass nahezu jede (Hai-)Familie ihren Langnasen-Cousin hat? Es gibt einen Langnasen-Pygmäenhai und einen Langnasen-Dornhai. Es gibt sogar einen Rau-Langnasen-Dornhai und Langschnauzen-Dornhai in einer Familie, wo alle Mitglieder ohnehin schon eine lange Schnauze haben. Es gibt einen nahen Verwandten des Grönlandhais mit dem englischen Namen longnose sleeper shark: eine so einmalige Art, dass sie bis jetzt nicht einmal eine Beschreibung oder einen deutschen oder wissenschaftlichen Namen hat.
Aber ich möchte den Langnasen- Samtdornhai (Centroselachus crepidater) vorstellen. Er ist eine Art der Schlafhaie und kann im Ostatlantik, Indischen Ozean und Ost- und West-Pazifik gefunden werden. Er lebt auf oder nahe dem Boden von Festlands- oder Insel-Sockeln.

Centroscymnus crepidater.jpg
Von © Citron / , CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14679170

Bis zu 1,30 m Länge und 60 Jahre Alter erreichend, wird der Langnasen-Samtdornhai mit 15 (Männchen) und 22 Jahren (Weibchen) erwachsen. Nach einer klar erkennbaren Paarung (mit Umarmung) bringt das Weibchen 3 bis 9 lebende Junge zur Welt (ovovivipar).

Obwohl sie ziemlich verbreitet sind und noch als nicht gefährdet von der IUCN klassifiziert werden, sind angesichts seiner geringen Produktivität die steigenden Fangzahlen des Langnasen-Samtdornhais (hauptsächlich als Beifang bei der Tiefsee-Grundschleppnetz- und Haken-Fischerei, aber auch mehr und mehr gezielt) ein Grund zur Besorgnis. Er wird nicht nur für Fischmehl (für unseren immer mehr anwachsenden Hunger auf Aquakultur-Lachs) und Fleisch (Filets können bis Aus$12/kg in Australien kosten) genutzt, sondern auch für seinen Lebertran und das Squalen in ihm.

Squalen oder seine gesättigte Form Squalan wird als teurer Zusatz für bestimmte Kosmetika von Anti-Aging-Creme biz zu Lipgloss, in Squalen-Gesundheitskapseln und als Zusatz in Impfstoffen genutzt. Als Tiefsee-Hai enthält die Leber des Langnasen-Samtdornhais 61-73% Squalen (nach Gewicht).
Obwohl pflanzliche Quellen (hauptsächlich Pflanzenöl) mittlerweile auch genutzt werden, schätzte Oceana ein, dass jährlich zwischen 3 und 6 Millionen Haie für ihr Squalen gefangen werden. Einige von ihnen wie der Schlinghai sind nun gefährdet und werden per Gesetz geschützt (aber Piraten sind Gesetze egal).

Auch wenn der Langnasen-Samtdornhai noch nicht gefährdet ist, hat Australien seit 2002 verboten, die Leber anzulanden wenn nicht auch der Körper dazu angelandet wird (zumindest von der Südost-Schleppnetzfischerei). In der EU gab es ab 2003 eine ähnliche Regelung, nur für Flossen (es scheint, dass Gutting – Innereien herausnehmen und Körper wieder ins Meer werfen – ähnlich wie Finning – Flossen abschneiden und Körper wieder ins Meer werfen – verboten werden sollte). Vor einigen Jahren wurde die Quecksilber-Gesetzgebung in Australien gelockert und erlaubte die Nutzung des Fleisches des Langnasen-Samtdornhaies (weil es einen hohen Gehalt von Methyl-Quecksilber hat) zusätzlich zum Lebertran (ist das nicht praktisch?). Normalerweise unterstütze ich die Nutzung von allen Teilen, um Lebensmittel-Verschwendung zu vermeiden, aber in diesem Fall?

Quellen: hierhier und hier

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