Wusstest Du, dass das Leben in der offenen See nicht einfach ist? Nährstoffe sind relativ selten: kleine Fische neigen dazu, beieinander oder bei größeren schwimmenden Objekten wie großen Fischen oder Treibgut zu bleiben (deshalb funktionieren Fischmagnete so gut),  aber auch Räuber haben es nicht leicht. Lohnende Beute zu finden ist wie die Nadel im Heuhaufen zu suchen, und wenn du sie dann gefunden hast, kann sie dich schon aus meilenweiter Entfernung kommen sehen. Du must jede Gelegenheit ergreifen, um nicht zu verhungern.

Eine der Arten, die ausschließlich in der Hochsee lebt, ist der Weißspitzen-Hochseehai. Diese mittelgroße Art der Requiemhaie ist im hohem Maße opportunistisch, aggressiv and hartnäckig – er muss es sein. Normalerweise langsam schwimmend um Energie zu sparen, ist er zu überraschenden Sprints in der Lage und ernährt sich von allem, inklusive Wal-Kadavern und Kot.

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Weißspitzen-Hochseehaie bevorzugen Wassertemperaturen zwischen 20 °C und 28 °C und bewohnen die oberste Schicht in tropischen und warmen Ozeanen bis zu einer Tiefe von 150 m (gelegentlich auch bis zu 600 m tief tauchend). Der Klimawandel könnte erklären, warum einer 2010 vor Schwedens Küste gefunden wurde.

Das größte Exemplar eines Carcharhinus longimanus, das jemals gefangen wurde, war 4 m lang, aber normalerweise werden Weißspitzen-Hochseehaie bis zu 3,50 m lang. Der Begriff longimanus bedeutet “lange Hände” in Latein, und bezieht sich auf ihre langen, flügelähnlichen Brustflossen. Sie werden mit 1,75 m (Männchen) und 2 m (Weibchen) geschlechtsreif. Der Hai ist ovivipar, nach einem Jahr werden bis zu 15 0,60 m große Junge geboren.

Von der Geburt bis zu einer Länge von 1,20 m fehlen heranwachsenden Weißspitzen-Hochseehaien die namensgebenden weißen Spitzen, vielmehr sind ihre Flossenspitzen schwarz oder dunkel. Dies scheint eine Räuberabwehr-Strategie zu sein, weil die weißen Spitzen an den meisten Flossen des erwachsenen Haies aus der Entfernung wie ein kleiner Schwarm von Fischchen wirkt, was ihm ermöglicht, Beute anzulocken und zu überraschen.

Aber er nutzt viele verschiedene Vorteile und Strategien zum Überleben. Er zieht mit weiblichen Kurzflossen-Grindwalen umher, mit denen er eine ähnliche Größe und Färbung teilt (aber nicht männlichen, denn diese sind größer und könnten selbst einen ausgewachsenen Weißspitzen-Hochseehai leicht zu ihrer Beute machen), um sich das Echolot des Wals dazu zunutze zu machen, Tintenfisch-Schwärme in Tiefen bis 600 m zu finden, aber auch, um sich hinter ihnen zu verstecken und anderen Räubern aufzulauern. Er ist sowohl tagsüber als auch nachts aktiv und nutzt seinen feinen Geruchssinn auf eine eigentümliche Art und Weise: er hält seine Schnauzenspitze mehrere Sekunden lang über die Wasseroberfläche und testet so die Luft. Weil Meeresströmungen Chemikalien nur langsam von ihrer Quelle weg verteilen, bestimmte Bestandteile aber schnell über große Entfernungen mit dem Wind transportiert werden, kann dies dem Hai ermöglichen, die Quelle eines attraktiven Geruches wie einen Wal-Kadaver schneller als andere Arten zu finden und so der Erste in der Schlange bei so einem riesigen und überlebenswichtigen Kalorien-Überraschungsgewinn zu sein.

Dadurch sind sie auch die Ersten vor Ort bei Schiffsbrüchen und Flugzeugabstürzen, und bekannt dafür, Überlebenden nachzustellen. Deshalb bezeichnete der berühmte Meeresforscher Jacques Cousteau den Weißspitzen-Hochseehai auch den gefährlichsten aller Haie. Aber der Fall eines besonders berüchtigten Weißspitzen-Hochseehai in Ägypten aus dem Jar 2010 (in der Shark Week-Episode “Rogue Sharks” dargestellt) sollte anders betrachtet werden, weil Beweismaterial enthüllte, dass diesem Hai das Fressen aus der Hand beigebracht wurde. Wenn Du daran gewöhnt bist, einen Taucher mit einer leichten Nahrungsquelle in seiner Gürteltasche zu  assoziieren, ist es da wirklich der Angriff eines Haimonsters, wenn die Gesäß- und Oberschenkel-Region eines Tauchers zum Ziel genommen wird, um eine Mahlzeit im höchst überfischten Roten Meer zu erlangen? Oder sind die gebissenen Menschen bedauernswerte Opfer eines oder mehrerer gewissenloser Menschen, die einen hungernden, gefährlichen Hai wie eine Hund abrichten?

Einst über alle Maßen häufig vorhanden, führte Fischereidruck wegen seiner Flossen, Fleisch und Öls zu einem steilen Abstieg der Zahl der Weißspitzen-Hochseehaie. Heutzutage betrachtet die IUCN ihn weltweit als gefährdet und in Northwest- und Westlichen Atlantik-Gebieten als vom Aussterben bedroht. Seit März 2013 wird das Fischen und der Handel von Weißspitzen-Hochseehaien reglementiert.

Quellen: hierhier und hier

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