Wusstest Du, dass es Haie gibt mit sechs (manche sogar sieben) Kiemenspalten auf jeder Seite anstatt der üblichen fünf? Die Ordnung wird Hexanchiformes genannt und beinhaltet nur sechs lebende Arten. Sie erscheinen wie altertümliche, ausgestorbene Haie mit wenigen modernen Anpassungen. Einer von ihnen ist der Stumpfnasen-Sechskiemerhai (eng verwandt mit dem Großaugen-Sechskiemerhai).

Sie sind weit verbreitet im Pazifischen, Atlantischen und Indischen Ozean und im Mittelmeer und leben normalerweise in den eiskalten, dunklen Tiefen von 90 bis 1 875 m Tiefe (wie hier gezeigt). Bekannt dafür, nachts vertikal zu wandern, scheinen Stumpfnasen-Sechskiemerhaie manchmal in flachen Gewässern zu bleiben (trotz ihrer typischen Lichtempfindlichkeit). Z.B. können jedes Jahr zwischen August und November verschiedene Exemplare in Tiefen von 21 bis 27 m tagsüber und so flach wie 3 m nachts gefunden werden, zumindest in gewissen Gebieten in British Columbia in Kanada. Sie sind grundsätzlich neugierig gegenüber Tauchern und können in dieser Tiefe umfangreich untersucht werden. Es wird angenommen, dass sie ihrer Beute gefolgt sind oder sichere Kinderstuben für ihre Jungen aufgesucht haben, und dabei die Planktonblüte ausgenutzt haben, um ihre Augen zu beschatten.

Stumpfnasen-Sechskiemer sind ovovivipar und bringen (nach wahrscheinlich mehr als zwei Jahren Tragzeit) große Würfe von 22 bis 108 Jungen zur Welt. Neugeborene Haie sind relativ groß (70 cm lang) und gut entwickelt, aber langsam und deshalb gefährdet. Die Zähne zeigen einen starken Geschlechterunterschied (der männliche Hai hat mehr aufrechte Hauptzacken als der weibliche), was mit dem unter Haien typischen Paarungsverhalten des “Liebesbisses” zusammenpasst (bewiesen durch spezielle Narben, die nur Weibchen aufweisen). Sie sind langsam wachsend und leben deshalb lange (wie der Grönlandhai).

Wie alle Haie haben Stumpfnasen-Sechskiemerhaie spezialisierte Sinne. Weil deren Teil des Gehirns proportional klein ist, scheinen Electrorezeption und Gehör relativ unwichtig zu sein. Aber ihre Riechkolben sind sehr groß (ungefähr 8% des gesamten Gehirngewichts), und ihre Augen sind gut an die Lichtbedingungen in der Tiefsee angepasst. Die Iris lässt sich nicht zusammenziehen, und die Netzhaut enthält nur Stäbchen (und keine Zapfen, also kein Farbsehen) “mit sehr großen oberen Stäbchensegmenten, um die maximale Empfindlichkeit auf diejenigen Wellenlängen zu konzentrieren, die in der Tiefsee überwiegen”. Sie sind Räuber, aber auch Aasfresser, wenn es Wal-Kadaver gibt.

Bis zu 4,90 m groß werdend, werden Stumpfnasen-Sechskiemerhaie von kommerziellen Fischflotten gefangen (oft zufällig), aber auch von Sportanglern aufs Korn genommen. Junge Haie sind bekannt dafür, zu schnappen und sich zu winden, wenn sie berührt oder gefangen werden, aber Ältere sind träge und kämpfen nicht. Stumpfnasen-Sechskiemer stellen keine Gefahr für den Menschen dar, obwohl sie eine der nur 11 Haiarten sind, die regelmäßig über 4 m groß werden. Der Fang wird für frische, getrocknete, geräucherte oder eingesalzene Fischprodukte sowie für Leberöl, Fischmehl und Tierfutter genutzt. Ihr Bestand ist weltweit potenziell gefährdet und regional ernstlich erschöpft, z.B. im Nordost-Pazifik. Weil besuchende Taucher wegen der dortigen Flachwasser-Stumpfnasen-Sechskiemerhaie jedes Jahr zwischen 5 und 10 Millionen Dollar zur lokalen Ökonomie in British Columbia beitragen, machte es die Regierung von British Columbia im Jahre 1997 illegal, dass Freizeit- oder Berufsfischer auch nur einen Kadaver dieser Art besitzen, egal wie er gefangen wurde. Ich hoffe, dass mehr Regierungen sich entschließen, diese schwerfälligen “Juramonster” zu schützen.

Quellen: hier, hierhier und hier

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