Ich bin heute wirklich niedergeschlagen. Glücklicherweise hatte ich meinen “Hai der Woche” Beitrag schon letzte Woche gespeichert, so dass ich den Plan einhalten kann, aber ich weiß nicht, ob ich jetzt gerade neue Beiträge über den Ozean schreiben kann.

Zuerst: Wir haben Haustiere, zwei Kaninchen in einem großen Gehege im Garten (über 6 m2 groß) und ein Aquarium im Wohnzimmer. Wir versuchen, sie mit allem zu versorgen was sie brauchen, aber ich bin mir darüber im klaren, dass man sagen könnte “Der einzige gute Weg ein Tier zu halten ist, es nicht zu halten”. Ich weiß, dass ich selbstsüchtig bin: ich habe das Aquarium zur Beruhigung angeschaut, seit ich mit meinem ältesten Kind schwanger war, und die Kaninchen werden, auch wenn sie nicht als Kuscheltiere missbraucht oder gezwungen werden im Haus dahinzuvegetieren, dazu benutzt, um unseren jüngeren Kindern das Sorgen für ein lebendiges Wesen beizubringen.

Ich recherchierte über richtige Wasserbedingungen und Zusammenleben, und das Aquarium überlebte 18 Jahre und einige Umzüge. Ja, wir mussten seitdem viele Fische nachkaufen, und nicht, weil die alten an Altersschwäche gestorben waren, aber ich denke, dass im Großen und Ganzen das Aquarium gedieh.

Vor einem halben Jahr jedoch gab es einen ernsteren Bakterien-Ausbruch (ein verbreitetes Bakterium, dass wegen einem geschwächten Immunsystem Krankheit und Tod bei einigen Fischen verursachte). Danach tauschten wir das Filtersystem aus, und ich recherchierte erneut und entschied, sehr widerstandsfähige, mir empfohlene Arten dazuzugeben zu unseren Überlebenden (einer Gruppe von Antennenwelsen und einem Schwarm von Trauermantel-Salmlern, die meisten mehr als 10 Jahre alt). Die neuen Fische, ein Schwarm von Rotaugen-Moenkhausia und ein Paar Siamesischer Kampffische (das Männchen war vom Typ fringetail, die sollten nicht so extravagant und empfindlich sein, weil fürs Kämpfen und nicht für die Schönheit gezüchtet), lebten sich gut ein, und wir fügten Schwimmfarn hinzu, um den Kampffischen das Becken passender zu gestalten.

Und dann begann der Sommer. Heiße Winde aus der Sahara und Temperaturen um 40 °C am Tag und 26 °C nachts, genauso wie im letzen Sommer. Aber, nicht so wie im letzen Sommer, schienen die normalen Maßnahmen, um das Aquarium herunterzukühlen, nicht auszureichen. Grünalgen gediehen, das Wasser begann undurchsichtiger zu werden, und morgens blieben die Fische an der Oberfläche. Über den Tag wurde alles wieder normal. Wie vermuteten, dass wegen Überhitzung ein Sauerstoffmangel auftrat, aber letztes Jahr waren die Pflanzen damit noch gut zurechtgekommen. Gestern war der männliche Kampffisch nirgendwo mehr zu sehen, und sogar die Welse kamen an die Oberfläche um Luftblasen zu schnappen. Weil es Sonntag war, war hier in Deutschland kein Laden oder Tierarzt offen, und so wechselten wir Wasser, entfernten einiges an Schwimmfarn (dabei entdeckten wir etliches an überzähligem Fischfutter), deaktivierten den Futterautomaten und hofften das Beste. Weil ich verzweifelt war, tat ich noch Mittel gegen Ammonium und Nitrit, Schwermetalle und Chlorid hinzu (die hatten wir noch vom Start des Aquariums übrig) und Sauerstoff-Tabletten.

Heute waren die meisten Fische tot! Nur die Antennenwelse, ein Rotaugen-Moenkhausia und der weibliche Kampffisch hatten überlebt – weniger als 30%. Ich habe den Rest getötet. Ich habe meinen eigenen kleinen Ozean getötet.

Habe ich sie vergiftet? Da war kein Ablaufdatum auf den Mitteln, aber sie können schlecht werden, oder? Was ich jetzt weiß ist, dass der verflixte Futterautomat zu viel Nährstoffe ins Wasser gab, für die keiner gesund genug zum Essen war außer Schnecken und Algen. Und die Unmenge an Schwimmfarn verschleierte diesen Fakt und raubte den anderen Pflanzen das Licht und brachte selbst kein Sauerstoff ins Wasser sondern nur in die Luft. Gepaart mit der Überhitzung war das Ergebnis ein Massensterben.

Als Notfallmaßnahme tauschten wir fast alles Wasser aus und entfernten allen Mulm und Schwimmfarn. Die Fische sind jetzt erstmal ok.

Was werde ich jetzt tun? Die vernünftige Wahl wäre, das Thema Aquaristik ganz abzuhaken. Aber was wird aus den verbleibenden Fischen? Und ich muss zugeben, dass ich eine spezielle Zuneigung zu unserem ältesten Antennenwels habe – ich habe ihn unserem Aquarium schlüpfen gesehen ungefähr zur selben Zeit, als mein erstgeborenes Kind schlüpfte.

Angesichts dieses tragischen Vorfalls frage ich mich:

Wie kann es sein, dass wir das Töten von wilden Tieren oder Nutztieren ignorieren können, aber erschüttert sind, wenn unsere Haustiere verletzt werden?

Ich habe kapiert, dass ich kein Aquaristik-Experte bin, obwohl ich so viel recherchiert hatte. Wir schafften es gut, mit der Hitze umzugehen in Bezug auf unsere Kaninchen, aber ein Aquarium scheint zu komplex zu sein. Aber das ist nichts gegen die Komplexität des gesamten Ozeans, und ich befürchte, dass selbst die größten Experten Tragödien wie Deepwater Horizon gegenüberstehen genauso wie ich heute morgen meinem Aquarium gegenüberstand: mit Bestürzung, Traurigkeit und keinem blassen Schimmer darüber, wie man es wieder richten könnte.

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